Lago Maggiore

Wenn Dich die Sehnsucht nach Italien packt: Lago Maggiore

Es war einer dieser verregneten Julitage. Ich saß auf meiner Couch, guckte einen italienischen Film – und plötzlich war sie da: diese Sehnsucht. Dieses Ziehen im Herzen nach Sonne, nach dem Klang italienischer Stimmen, nach einem Aperol Spritz im goldenen Abendlicht. Ich konnte sie fast schmecken, die Wärme, das Lachen, das Leben.

Während draußen der Regen an die Scheiben trommelte, zeigte mir die Wetter-App Sonne – in Norditalien. Und dann, wie ein Zeichen, blinkte ein günstiges Hotelangebot am Lago Maggiore auf. Ein Hotel, in dem ich im Vorjahr schon war. Ich musste nicht lange überlegen. Schon sah ich mich durch enge Gassen schlendern, den Duft von Espresso in der Luft, das Glitzern des Sees vor mir. Ich träumte von fluffigen Cornetti am Morgen, von Panini und Vino auf der Piazza, von Gelato, Sonne und dieser unvergleichlichen Leichtigkeit, die nur Italien kann.

Gelato am Lago Maggiore

Eine Stimme in mir flüsterte: „Du kannst doch nicht einfach morgen losfahren.“
Die andere lachte: „Perché no?“

Und so klickte ich auf buchen. Hektisch wanderte Kleidung in den kleinen Koffer, die Playlist „Italia“ wurde geladen, und wenige Stunden später rollte ich los – Richtung Süden. Der Regen begleitete mich bis zum Gotthard, aber als ich aus dem Tunnel kam, empfing mich das Licht. Ticino, Sonne, Palmen. Ich sang laut mit, grinste breit und wusste: Das war die richtige Entscheidung. Benvenuti in Italia.

Aperol am Lago Maggiore

Ankommen am Lago Maggiore

Drei Tage. Mehr nicht. Aber drei Tage, die sich anfühlten wie ein Sommermärchen. Ich erreichte Intra, am Westufer des Lago Maggiore, eingebettet zwischen Bergen und Wasser. Der See glitzerte, als hätte jemand tausend kleine Diamanten hineingestreut. Ich setzte mich ans Ufer, bestelle mir un Aperol Spritz und grinse sehr breit.

Cornetto und Capucchino
Verbania
Lago Maggiore Stefanie Fritzsche

Am nächsten Morgen weckten mich die ersten Sonnenstrahlen und  der Duft von frischem Kaffee. Caffè e cornetto con crema – so beginnt mein perfekter Tag in Italien. Ich schlenderte durch die Gassen von Intra, ein dem der Verbandsgemeinden von Verbania weiter nach Pallanza, ein weiterer Ortsteil Verbannias. Gelegen auf einer sonnige Halbinsel, die mit ihren Villen und Gärten wie aus einem alten Film wirkt.

Verbania
Verbania
Verbania
Verbania

Pallanza – ein Ort für die pure Erholung

Pallanza ist für mich ein Traum. Die Uferpromenade scheint kein Ende zu nehmen, gesäumt von Palmen, Oleander und eleganten Jugendstilvillen. Der Altstadtkern ist romantisch, mit engen Kopfsteinpflastergassen und kleinen Geschäften. Ich ließ mich treiben. Irgendwann setzte ich mich ans Ufer, lese abwechselnd im Buch und schaue nur aufs Wasser, auf die sanften Wellen, an vorüberziehen kleinen Motorboote, Segler und SUPs und auf das gegenüberliegende Ufer. Trotz Juli war es erstaunlich ruhig.

Zwischendurch gönnte ich mir ein Gelato – nocciola e limone – und später einen Aperol Spritz in einer kleinen Bar direkt am Wasser. Die Sonne spiegelte sich im Glas, und ich dachte: Genau so fühlt sich Glück an.

Lago Maggiore
Lago Maggiore

Ein Spaziergang mit Aussicht

Am Nachmittag machte ich mich schweren Herzens wieder auf den Rückweg nach Intra, diesmal entlang des Ufers. Der Weg führt vorbei an prachtvollen, teils verwitterten Villen, deren Gärten bis ans Wasser reichen. Immer wieder öffnet sich der Blick auf die Borromäischen Inseln – allen voran die vor Pallanza liegende Isola Madre. Ich blieb oft stehen, einfach um zu schauen, zu atmen, zu staunen.

Ein Abstecher in den Parco di Villa Giulia lohnt sich unbedingt. Alte Bäume, duftende Blumen, Schatten und Licht – ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint.

Ein letzter Abstecher ins Cafe der berühmten Gärten der Villa Taranto. (hier kannst Du mich auf einem früheren Besuch begleiten). Den Abend kröne ich dann mit Tajairn in der Osteria del Castello. Denn klar, wenn ich in Italien bin, verbinde ich meine Reisen immer auch mit Genussrecherche und regionale Rezeptsuche.

Auf den Spuren der goldenen Tajarin

Die Osteria auf der historischen Piazza hat bereits mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. Der Platz atmete noch die Aura einer ehemaligen Weinbar. Diese einfache, entspannte Atmosphäre mit wenigen, lokalen Gerichten ist perfekt für mich.

Innen drin schön rustikal mit dunklem Holz und Unmengen an Weinflaschen und Bilder vergangener Zeiten an den Wänden eingerichtet. Draußen dagegen sitze ich geschützt und einfach malerisch unter grünen, tiefhängenden Ranken.

Der Charme von vor hundert Jahren, als die Fischer vom See nach Feierabend auf ein Glas Wein hier vorbeikamen, hängt noch in den Reben und an der Häuserfassade. Hier verwöhne ich mich mit meinem Teller Tajarin und einem Ragù und genieße eine volle Ladung Italienvibes. Jede Gabel, die ich eindrehe, lässt mich glücklich strahlen. Jeder Schluck des lokalen Vinos macht mich seelig. Die Pasta schmeckt so golden und reich wie sie aussieht und doch bleibt es sommerlich leicht. Am Haus schräg gegenüber weht oben im 2. Stock die Wäsche vor dem winzigen Balkon. So endet ein Traumurlaubstag für mich.

Vino am Lago Maggiore
Intra
Weinbar am Lago Maggiore
Tajarin

Ein Tag auf den Borromäischen Inseln

Am nächsten Morgen stehe ich früh auf, um das Boot zu den Borromäischen Inseln zu nehmen. Schon die Überfahrt ist ein kleines Stück Italien-Glück: Das Wasser glitzert, am Horizont zeichnen sich die Berge in zartem Blau ab. Der Fahrtwind riecht nach Sommer, nach See und nach Freiheit. Am Ufer ziehen prachtvolle Villen vorbei, deren Gärten bis ans Wasser reichen – ein Vorgeschmack auf das, was mich erwartet.

Isola Madre

Die Isola Madre – ein Garten voller Geschichten

Mein erster Halt ist die Isola Madre, die größte und für mich schönste der drei Inseln. Ein Paradies aus exotischen Pflanzen, duftenden Blüten und stolzierenden Pfauen, die sich zwischen Palmen und Magnolien sonnen. Es riecht nach Sommer, nach Geschichte, nach einem Hauch von Ewigkeit.

Doch im Juli ist die Idylle fast nicht vorhanden – schon am Anleger bildet sich eine Schlange, und die Boote bringen unaufhörlich neue Besucher. Zum Glück verliert sich die Menge in der Weite des Parks an diesem Vormittag, und ich finde immer wieder stille Ecken, in denen nur das Rascheln der Blätter und das leise Plätschern des Sees zu hören sind. Nur rund um die Prachtvilla tummeln sich wieder zu viele Menschen.

Ich schlendere durch die schattigen Wege, lasse den Blick über das Wasser schweifen und denke, dass ich eigentlich bleiben möchte. Hier, auf dieser Insel, die so friedlich wirkt, als hätte sie die Zeit vergessen. Doch die Neugier siegt – das Ticket gilt für alle Inseln, und so stehe ich wenig später wieder am Anleger, während immer mehr Boote anlegen und mehr Menschen bringen.

Isola Madre

Isola dei Pescatori – die Fischerinsel im Ausnahmezustand

Mein zweiter Stopp ist die Isola dei Pescatori, die kleinste und ursprünglichste der drei Inseln. Ich hatte mich auf enge Gassen, flatternde Fischernetze und den Duft von gebratenem Fisch gefreut – doch schon am Steg wird klar: Heute ist hier Ausnahmezustand. Es ist Mittagszeit, und gefühlt haben sich absolut alle Touristen rund um den Lago Maggiore genau jetzt auf diesem winzigen Eiland versammelt. Die Gassen sind überfüllt, jedes Restaurant bis auf den letzten Platz besetzt, und die Luft flirrt vor Stimmen und Sonne.

Mein Traum von einem Teller Pasta mit frischem Fisch und Seeblick löst sich mit den Menschenmassen auf. Doch die nächste Fähre fährt ohne Halt an der Insel ebenso überfüllt weiter. Stattdessen suche ich mir also einen Platz am Rand der Insel, setze mich auf einen Stein am Wasser, blende das Stimmengewirr aus, lese ein paar Seiten in meinem Buch und lasse die Gedanken treiben. Als ich mich später wieder in die Schlange zur Fähre einreihe, hoffe ich, diesmal mitzukommen – und tatsächlich, ich bin dabei.

Isola dei Pescatori
Isola dei Pescatori
Isola dei Pescatori

Isola Bella – barocke Pracht und ein Hauch von Märchen

Die letzte Station ist die Isola Bella – und sie macht ihrem Namen alle Ehre. Die barocke Villa erhebt sich majestätisch über dem Wasser, umgeben von kunstvoll angelegten Terrassengärten, Statuen und duftenden Orangenbäumen. Ich genieße die schönen Gärten und gönne mir zum Abschluss ein überteuertes, aber köstliches Gelato. Während ich auf das glitzernde Wasser blicke, denke ich: Ja, die Inseln sind magisch. Aber sie entfalten ihre wahre Schönheit wohl erst, wenn der Sommertrubel vorbei ist – früh am Morgen, wenn man das Gefühl hat, sie ganz für sich allein zu haben.

Isola Bella

Die Borromäischen Inseln sind ein Traum – aber einer, den man am besten außerhalb der Hochsaison träumt. Dann, wenn die Boote noch leer sind, die Gärten still, und das Licht golden über dem See liegt.

Am nächsten Tag geht es für mich wieder zurück nach Hause, ein letzter Stopp in Ghiffa und Cannobio, ein letztes Flanieren durch am Ufer entlang, ein letzter Cafe.

Intra e Vino
Intra
Apero in Intra

Kulinarische Momente – und die goldenen Tajarin

Zu Hause hole ich mir genau dieses Gefühl durch meine handgemachten Pastarezepte mit der Seele des Lago Maggiore zurück. Was dabei nicht fehlen darf, ist ein Teller Tajarin, diese goldgelbe, seidige Pasta aus dem Piemont, die sich wie ein Versprechen um die Gabel wickelt. Mit dem Rezept der Tajarin con pomodoro sitze ich wieder in der Osteria del Castello.

Drei Tage Dolce Vitadie Seele ist gefüllt

Drei Tage am Lago Maggiore, und doch fühlt es sich an, als wäre ich wochenlang fort gewesen. Ich habe Sonne getankt, Erholung gefunden und mich wieder daran erinnert, wie schön es ist, spontan zu sein.

Der Lago Maggiore ist im Westen kein lauter Ort. Er ist sanft, elegant, ein bisschen nostalgisch. Er verwöhnt mit der Cucina piemontesi. Der See erzählt Geschichten – von alten Villen, von Menschen, die das Leben genießen, von Abenden, an denen das Licht golden über dem Wasser tanzt.

Wenn Dich also die Sehnsucht nach Italien packt, zögere nicht zu lange. Pack einfach den Koffer, starte den Motor, und fahr los. Auch wenn es viele Kilometer sind und für den ein oder anderen in Deinem Umfeld keinen Sinn macht, Dich wird es glücklich machen. Vielleicht wartet am Ende der Straße ein Aperol Spritz auf dich, ein Lächeln, ein Stück Pasta – und das Gefühl, genau dort zu sein, wo du hingehörst. Und vor allem: Lass dich treiben. Italien funktioniert am besten, wenn man nichts plant – außer zu genießen.

Sono molte felice.
Und vielleicht, ganz vielleicht, bist du es bald auch – am Lago Maggiore.

Weitere Inspiration rund um den Lago Maggiore findest Du auch bei Britta auf https://www.discover-lagomaggiore.com. (Eine freiwillige, unbeauftragte/unbezahlte Verlinkung)

Pasta con Passione Kochbuch

Hole Dir den Lago Maggiore nach Hause

Du kannst gerade nicht los? Dann hole Dir mit den nächsten Rezepten den Lago Maggiore nach Hause. Wenn Du wie ich Feigenliebhaber bist, dann entdecke mit mir dieses himmlische Rezept:
Tajarin (Tagliolini) ai fichi e noci bringen Dir den Himmel. Es ist völlig zu Recht eines der meist geklickten Rezepte auf meiner Website.

Die Trüffelmesse in Alba im Herbst ist ledendär. Aber auch mit einem Sommertrüffel kannst Du mit den Tajarin al tartufo eine Offenbarung erleben.

Du magst mehr Italienvibes und Pasta von Hand gemacht ?

Dann lege ich Dir mein Pastakochbuch ans Herz „Pasta con passione“ ans Herz. Noch besser, erlebe mit mir gemeinsam die Magie von Pasta von Hand gemacht mit mir in meinen Pastaworkshops und lerne es von Grund auf – nach traditionellen Rezepte und mit meinen Geschichten aus den Küchen Italiens und meinen Reisen. Stöbere doch gern einmal hier. Und wenn Du regelmäßig mehr Pastazauber erleben magst, dann folge mir doch auch gern auf Instagram.