Mein Besuch bei Patrizia in Imperia war eigentlich ganz anders geplant – ich wollte einfach nur das traditionelle Rezept für Pansotti mit Walnusssoße lernen, diese köstliche ligurische Pasta mit ihrer feinen Füllung. Doch das Leben hat manchmal seine eigenen Pläne. Aber der Reihe nach.
Zwei wunderschöne Wochen Sardinien, sardische Pasta und großartige Gesellschaft liegen hinter mir, als ich im Oktober direkt von der Fähre in Genua entlang der traumhaften Via Aurelia an die westliche ligurische Küste weiterfuhr.
Die Küste entlang der Riviera dei Fiori ist sehr abwechslungsreich. Es geht entlang ewiger Strände und langgezogenen Buchten. Und es geht über kurvige, enge Straßenzüge mit Blick auf die typische ligurischen bonbonfarbene in die Steilhänge gemeißelte Häuser, die ich von den Cinque Terre kenne. Einfach nur ein Traum. Ich kann mich nicht satt sehen und würde am liebsten alle paar Meter anhalten.




Die Blumenriviera wartet mit magischen Sonnenaufgängen und vielen Genussmomenten
Vor mir liegen aber nicht nur Nächte mit Meeresrauschen und magischen Sonnenaufgängen direkt über den Meer, sondern auch unfassbar viel Genuss.
Wußtest Du, dass diese Region an der Blumenriviera berühmt ist für die Taggiasca Oliven? Falls Du sie noch nie probiert hast, dann gehört das auf jeden Fall auf Deine Liste. Sie zählen zu den besten Oliven. Auf die Liste kannst Du dann noch die Pansotti (gefüllte Pasta) und die Focaccia genovese schreiben und ehrlicherweise auch natürlich auch die Trenette (Bandnudeln) con pesto genovese. Letztere kannst Du Dir mit meinem Rezept direkt nach Hause holen.
Die Riviera dei Fiori in diesem Oktober war ein absoluter Traum mit viel Sonne und sommerlich warm, so dass viele noch im Meer schwimmen waren. Aber auch Wandern oder Radfahren entlang der Küste treffen auf Genussliebhaber. Besonders zu empfehlen die lange Fuß-und Radstrecke an der Küste bis San Remo. Von Damiano Marina ist der Weg zwar gesperrt, aber bis dahin und ab Imperia kannst Du ungebrochen radeln und träumen.
Auf den Spuren der traditionellen Pansotti con noci
Natürlich war ich nicht ohne Grund in dieser Region. Ich habe mich in Imperia mit Patrizia verabredet um mit ihr in die ligurische Küche einzutauchen. Imperia ist ein malerischer Fischerort, bestehend aus zwei Ortsteilen. Einer davon ist Porto Maurizio, in dem Patrizia wohnt. Patrizia lebt hier mit ihrem Mann. Seit einem Jahr gibt sie allgemeine Kochkurse für ligurische Küche, mit Entertaintmentfaktor für die Touristen.



Wir starteten jedoch auf dem Markt in Diano Marina, dem Nachbarort an der schönen Blumenriviera und der Ort, in dem mein Hotel liegt. Hier holt mich die Italienerin, die auch einige Zeit in Deutschland glebt hat, ab. Nach einem Cappuccino und vielen „Ciao, come stai“mit Freunden und Bekannten Patrizias auf dem Weg, gings weiter nach Imperia in ihre Küche. Mein Wunsch war es, die echte Genueser Focaccia zu lernen. Außerdem wanderte ich auf den Spuren für das traditionelle Rezept für Pansotti mit Walnusssoße zu lernen, die ligurischen gefüllte Pasta.
Doch als wir in Imperia ankommen, wartet eine Überraschung auf mich: Denn Patrizia hat noch ein sympathisches Paar aus Deutschland eingeladen, die gerade Urlaub an der ligurischen Riviera machen. Statt E-Bike-Tour steht für sie heute Pasta auf dem Plan. Und eine ganze Besondere, denn Beide haben noch nie zu vor Pasta gemacht. Das Lachen meiner Landsleute steckt sofort an und ich nehme vorweg: Wir hatten richtig viel Spaß an diesem Tag.
Eine Focaccia zum Niederknien!
Erstmal zeigte uns Patrizia wie sie die echte Genueser Focaccia macht. Den Teig dafür durfte ich nicht kneten, dann heißt es falten, ruhen, falten, Luftblasen reindrücken, salzen, – und auch wenn ich am Ende zu müde und hungrig für richtig gute Bilder war, diese saftig-softe Focaccia war zum Niederknien und ich habe echt was weggefuttert. Unglaublich. So muss eine Focaccia sein!




Dann häuften wir das Mehl auf die Holzbretter auf. Für Pansotti wird der ligurische Pastateig aus Mehl, Ei und Weißwein verwendet. Da man ja bekanntlich nur Wein verwenden sollte, den man auch trinken würde, probierten wir erstmal ein Glässchen. Geprüft und für gut befunden, wanderte der Wein dann noch in den Teig und los gings….
… und ehe ich mich versah, war ich es, die den Pastaworkshop leitete. Gemeinsam kneteten wir den norditalienischen Mehl-Eierteig und formten perfekte Teigkugeln. Ich erklärte dabei, worauf es beim Mehl ankommt und wie man einen geschmeidigen Teig nur mit den Händen knetet.




Und dann halte ich den Pastaworkshop…
Ein Glas Vino, noch mal Focaccia falten und die Füllung für die Pansotti herstellen. Zeit genug, dass der Teig ruhen kann. Und dann ran an die Nudelhölzer. Als Patrizia mich bat, allen dreien zu zeigen, wie man mit einem Matarello den Teig wie eine echte Pastamacherin in der Emilia-Romagna ausrollt, war ich dankbar. Dankbar, dass ich mein eigenes Matarello dabei hatte. Aber noch dankbarer für diese Chance und meine drei interessierten Gäste, die jeden Handgriff und jeden Tipp aufsaugten.
In diesem Moment wurde aus einem einfachen Besuch eine Begegnung voller Wärme, Freude und Verbundenheit – eine Erinnerung, die mich noch lange begleiten wird und die mich Telefonnummern austauschen lässt 😉




Pansotti: Erlebe echte ligurische Landküche
Doch was sind Pansotti eigentlich? Pansotti sind diese charmanten, bauchigen Teigtaschen, deren Name vom ligurischen Wort pansa für „Bauch“ stammt. Im Gegensatz zu den eleganten Tortellini aus dem vornehmen Bologna sind Pansotti echte Vertreter der ligurischen Landküche: bodenständig, vegetarisch und voller Charakter.
Ihre traditionelle Füllung besteht aus einer aromatischen Mischung wilder Kräuter, dem sogenannten prebuggiùn – eine Komposition, die man wirklich nur in Ligurien findet. Außerhalb der Region greift man meist zu Mangold als Ersatz, und auch der frische ligurische Käse prescinseua wird oft durch Ricotta ersetzt. Eine kleine Abwandlung, die dem Genuss keinen Abbruch tut.
Auch wenn wir an der Quelle sitzen, machen wir unsere Füllung aus den Ersatzprodukten, die wir auch zu Hause in Deutschland finden können. Serviert werden die Pansotti in einer cremigen Walnuss-Parmesan-Soße, so köstlich, dass man am liebsten gleich den Teller auslecken möchte. Definitiv nichts für Kalorienzähler, aber ein Fest für die Seele.
Mich kann man an diesem Tag oder besser Abend mit meinen zwei Begleitern vom Hügel Imperias durch die engen Gassen bis hinunter an den großen Parkplatz an der Marina in Porto Maurizio rollen. Glücklicherweise geht es den ganzen Weg nur bergab.




Ein Abend in einer italienischen Familie
Nachdem mir Patrizia kurz zeigte, wie die Pansotti geschlossen werden, gebe ich es an die beiden Gäste weiter und wir formen und füllen was das Zeug hält. Lachen erfüllt die Küche, der Duft der frisch gebackenen Focaccia im Ofen weht uns in die Nasen. Es ist ein Schlemmertag, wie ich ihn mir nicht schöner erträumen könnte.
Später kommt noch Patrizias Mann dazu. In der Küche einer italienischen Familie zu kochen, ist wie Teil eines lebendigen Erbes zu werden. Zwischen dampfenden Töpfen und duftendem Olivenöl entsteht eine Atmosphäre, die mehr ist als gemeinsames Kochen – es ist gelebte Tradition.
Auch am großen Esstisch von Patrizia aßen bereits unzählige Menschen, haben gelacht, erzählt, probiert und sich Geschichten erzählt. Und auch wir lachen, essen und erzählen uns Geschichten. Während draußen die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwindet, füllt sich der Raum mit Stimmen, Wärme und dem Gefühl, dass genau hier – an diesem Tisch – auch heute wieder neue Geschichten beginnen.
Erzähle auch Geschichten rund um den Küchentisch
Genau dieses Gefühl bringe ich nach Deutschland in meine Pastaworkshops. Auch wir sitzen gemeinsam um einen Tisch, dem inzwischen schon so viele Menschen zusammenkamen, lachen, probieren Pasta , trinken Wein und erzählen neue und alte Geschichten und tauschen manchmal noch Kontaktdaten. Wenn Du dies einmal selbst erleben magst, hier geht’s zu den nächsten Workshops. Kleine Gruppen machen die familiäre Atmosphäre möglich. Mehr Geschichten bekommst Du natürlich auch bei mir auf Instagram.



