Ich liebe Zitronen. Zitronen, Limonen, Orangen, Grapefruit – die ganze Familie zaubert mir immer die Sonne ins Herz. Die frischen Farben heben meine Stimmung, verwöhnen mein Auge. Der spritzige Geschmack erfrischt meinen Gaumen, der Duft einer solchen sonnenverwöhnten Frucht lässt mich träumen – von einem Sommer in Italien, von der Leichtigkeit, von Sonne, Meer und einem wunderschönen Land. Auch in meiner Küche spielt die Zitronen-Familie eine sehr große Rolle. Obwohl kein Geheimtipp hat es daher das kleine Örtchen Limone sul Garda am Westufer des Gardasees in meine Lieblingsplatz-Liste geschafft. Ich nehme dich mit ins dortige Zitronenmuseum und die Zitronengärten.

Für die Schönheit der Zitronen musst du nicht weit reisen

Los geht’s ins Land der Zitronen. Aber warte mal. Zitronen und Italien? Das ist doch die traumhafte Amalfiküste oder das sind die sonnenverwöhnten Zitronenplantagen auf Sizilien? Tatsächlich müssen wir gar nicht so weit in den Süden fahren um unser Zitronenfieber zu stillen.

Direkt am schönen Gardasee werden wir bereits fündig. Am Westufer des Gardasees entwickelte sich einst eine große Zitronenindustrie. Sie versorgte auch uns in Deutschland mit Ware. Auch wenn heute die sonnigen Früchte aus anderen Regionen kommen, finden sich hier einige gut erhaltene und restaurierte Limonaias. Limonaias heißen auf Deutsch Zitronengärten.

Limone
Limone sul Garda verzaubert
Hausnummer Limone
Ganz Limone ist im Zitronenfieber

Ganz Limone ist im Zitronenfieber

Mit Limone sul Garda hat sich sogar ein ganzes Örtchen dem Zitronenfieber verschrieben. Auch wenn der Name Limone gar nicht von der Zitrone kommt, hat sich der Ort seine Vergangenheit zu eigen gemacht. Von jedem Teller, von jeder Hauswand und von jeder Speisekarte strahlen dich liebevoll Zitronen an. Es ist kein Geheimtipp sondern ein großer Touristenmagnet. Im Sommer wird die Altstadt geradezu überschwemmt. Also genau ein Ort, um den ich einen weiten Bogen mache. Limone hat aber mein Herz in einer tourismusarmen Jahreszeit erobert. Auch wenn die zahlreichen Besucherinnen und Besucher für mich eine Herausforderung sind, gehört Limone zu jeder Jahreszeit zu einem meiner Lieblingsorte am Gardasee. Auch in der Hochsaison finden sich hier Plätze, an denen ich Ruhe finde.

Eine Besonderheit am Gardasee ist das Zitronenmuseum. Das Museum macht wunderschön den besonders ausgetüftelten Anbau dieser Sonnen- und wärmeliebenden Früchte am Rande der Alpen erlebbar – und gewährt ganz nebenbei noch einen tollen Blick auf die Altstadt von Limone, den Gardasee bis hinüber zum Monte Baldo.

Atme den Duft der Zitronen ein

Kenner schwelgen jetzt in den schönsten Urlaubserinnerungen. Neulinge bekommen einen tollen Tipp für den nächsten Italienurlaub. Ein Ausflug in die Zitronengärten bringt deine Seele zum Leuchten. Entdecke die verschiedenen Sommertöne von hellem zu satten Gelb, zartem Rose bis zu leuchtenden Orange. Die je nach Saison mehr oder weniger reifen Zitrusfrüchte strahlen um die Wette, leuchten hell in der Sonne und verwöhnen das Auge. Halte einmal die Nase an eine der Früchte, schließe die Augen und atme tief den Duft ein. Riechst du die Sonne und den Sommer? Merkst du, wie die Mundwinkel sich immer weiter nach oben neigen und dein Strahlen im Gesicht es durchaus mit den Zitronen aufnehmen kann? So geht es mir zumindest. Selbst im Winter bringt mich das Gelb von Zitronen, das Rosa der Grapefruit oder die Farben der Orangen in eine gute Stimmung.

Orangen
Alle sonnenverwöhnten Früchte strahlen geradezu golden um die Wette

Zitrusfrüchte sind ein wichtiger Bestandteil der cucina italiana

Ich liebe darüber hinaus auch den Geschmack. Zitronen und Orangen spielen in der italienischen Küche eine sehr bedeutende Rolle. Der spritzige, frische Geschmack findet sich nicht nur im berühmten Limoncello oder im erfrischenden Gelato. Von Zitronenkuchen, Zitronentarte, Zitronentiramisu und Marmelade bereichern Zitrusfrüchte auch Fischgerichte, ein Risotto, ein Orangensalat, Zitronen-Gnocchi, Spaghetti al Limone, Tortellini mit Zitronen-Ricotta-Füllung… Ich könnte hier ewig weiter aufzählen, den Duft und den Geschmack beschreiben und einfach schwärmen. Doch wie kommen wir eigentlich zu diesen Wunderzutaten der italienischen Küche?

Die große Torte di Lemone
Die Torta di Limone ist ein sehr beliebtes Dolci
Zitronenmarmelade ist richtig, richtig lecker.
Auch in der Pasta sorgt Zitrone für den gewissen Kick.

Die Limonaia sind ein ganz besonderes Konstrukt

In einem der früheren Jahrhunderte war die Logistik noch nicht so ausgefeilt wie heute. Damals musste man sich viel einfallen lassen um bestimmte Ware von A nach B zu bringen – in diesem Falle vom sonnenverwöhnten Süden über die Alpen hinüber in den Rest Europas. Denn dieses warme, sonnige Klima ist es, was die Zitrusfrüchte so aromatisch machen. Umgeben vom Bergpanorama kommen mir am Gardasee nicht gleich Zitronengärten in den Sinn. Doch die Italiener sind findige Menschen. Sie konstruierten die sogenannten “Limonaie”: Zitronengärten auf unterschiedlichen Terrassen direkt vor der schützenden und wärmenden Wand der Berge, ausgerichtet in die warme Sonne und ausgestattet mit einem Gerüst, durch das sie im Winter vor Frost, zu viel Regen und Schnee geschützt werden konnten. Mit dieser Konstruktion gelang es die südlichen Klimabedingungen am Gardasee zu erschaffen.

Limonaia
Blick von eine der Terrassen über Limone und den Gardasee
Limonaia
Zwischen den Zitrusbäumen ranken Weinreben entlang der Treppen.

Der Zitronenanbau florierte einst am Gardasee

Es entstand eine richtige Zitronenindustrie am Gardasee. An der ganzen Westseite zierten die Gewächshäuser die Uferstreifen. Überall roch es bestimmt nach dem Duft von Sommer. Seitlich des Sees erstrahlte in den Sommermonaten alles in fröhlichem Gelb und dem satten Gründ der Blätter. Die Arbeiter bewässerten, bearbeiteten und ernteten schließlich Korb um Korb. Ich stelle mir vor, wie sie abends bei einem Limoncello zusammensaßen, bereits der Duft von Kuchen aus den Backstuben rüber wehte und sie sich morgens mit einem frisch gebackenen saftigen Zitronenkuchen stärkten.

In den Pausen spendeten die Bäume einen angenehmen Schatten. Doch Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Industrie insgesamt ein ganzes Stück weiter und es war zunehmend kein Problem mehr, aus Ligurien, dem schönen Florenz oder von Sizilien die Früchte zu transportieren. Die Preise fielen, die Zitronenbauern am Gardasee konnten nicht mehr mithalten und so verschwanden nach und nach die Zitronengärten. Der Krieg zerstörte dann die restlichen Zitronenhaine. Aber noch heute sind am ganzen Ufer rund um Limone die Überreste damaliger Zitronengärten zu sehen.

Ganz prägnant findest du auf jedem Foto eine große Ruine, entlang deren Mauer täglich tausende Touristen flanieren. Aber auch im Ort selbst gucken hier und da noch Reste durch und wer aus Limone hinaus am Seeufer entlang spaziert oder eine Tour auf dem Wasser unternimmt, wird zahlreiche weitere – ehemalige – Zitronengärten sichten. Die Balkon der Gewächshäuser ragen auch halb verfallen noch überall in die Höhe und prägen die Landschaft rund um die Dörfer dieser Gardaseeecke.

Limone
Überall findest du die Überreste von ehemaligen Zitronengärten.
Limonaia
In der Limonaia kann man sich auch heute das Leben von damals vorstellen.

Das Museo del Castel

Eines dieser damaligen Schmuckstücke in Limone konnte jedoch erhalten und vor rund 15 Jahren restauriert werden. Anfang der 2.000 wurde es als Museum den Menschen zugänglich gemacht. Es befindet sich in der Altstadt. Aber keine Sorge, egal an welcher Stelle du in Limone gerade bist, die Fließen im Boden weisen dir den Weg zum Eingang. Von 10-17 Uhr geöffnet kostet dich der Eintritt 2 Euro als Erwachsener.

Direkt hinter dem Eingang stehst du bereits auf einer der Terrassen und blickst auf die ersten Zitrusfrüchte und das hölzerne Gerüst der Limonaia. Auf insgesamt drei Terrassen findest du von Zitronen über Orangen bis Grapefruit, Pampelmuse, Mandarinen alles, was das Zitrusherz begehrt – viele verschiedene Sorten sind hier angebaut und erklärt. Dazwischen ranken Weinreben um die Holzstreben und Treppengeländer. Ein frischer Duft steigt in die Nase, du blickst auf den Gardasee und die Monte Baldo Gebirgskette. Ein wunderschöner Garten verzaubert, an der Seite plätschert ein Brunnen und auf eine der Bänke kannst du etwas die Ruhe und Idylle genießen.

Limone
Achte einfach auf die Fließen im Boden, sie weisen dir überall in Limone den Weg.
Limonaia
Mitten in der Altstadt findest du dieses kleine Juwel.
Museum Limone
Der idyllische Eingang ins Museum.

Die Konstruktion ist ziemlich ausgetüfelt.

Die Terrassen sind so angelegt, dass sie die Sonne auf den jeweiligen Etagen einfangen und die Hanglage optimal ausnutzen. Die direkt auf der Rückseite der Pflanzen hochragenden Steinwände nehmen die Wärme auf und speichern sie. Die Bewässerung erfolgte über ein ausgeklügeltes Kanalsystem, welches das Wasser aus einem der nahen Bäche leitete. Dies ist ebenfalls zu sehen. Die Holzstreben-Konstruktion wiederum war die Garantie für den Winterschutz. Von oben konnten Holzplatten oder Planen darüber gelegt werden und die Seitenwände wurden wahlweise ebenso mit Holz verkleidet oder es wurden Scheiben eingesetzt. Dadurch konnte individuell das besonderes notwendige Klima erzeugt werden und die Pflanzen waren vor Frost, zu viel Regen oder Schnee geschützt. Wenn ich schreibe „wurden“, so bezieht es sich zwar auf die damalige, florierende Zeit, aber natürlich werden auch heute die Pflanzen im Museum so geschützt.

Limonaia
Die Zitronengärten sind auf mehreren Terrassen angelegt.
Limonaia
Die Pfeiler ermöglichen den Schutz vor dem Winter mit Planen, Scheiben und Holzen.
Limonaia
Sonnenverwöhnt durch die gute Handlage und trotzdem geschützt durch die Felsen von hinten.

Die Ausstellung im Besucherzentrum

In der Mitte der Terrasse steht das kleine Besucherzentrum. Von jeder Etage kannst du es betreten. Auf Schautafeln werden die verschiedenen Zitrusfrüchte vorgestellt, die Geschichte der Zitronengärten und des Zitronenhandels am Gardasee erzählt. Zahlreiche Werkzeuge und weitere Exponate aus dieser Zeit des Zitronenanbaus zeigen in einer Ausstellung das Leben und die Arbeit damals. (Kostenfreie Toiletten findest du hier übrigens auch ;- )).

Limonaia
Das Besucherzentrum …
Limonaia
… beheimatet eine Ausstellung….
Limonaia
… und stellt die sehr vielfältigen Zitrusfrüchte vor.
Limonaia
Überall kannst du diesen Traumausblick sehen.
Limonaia
Im Winter werden in die Streben Scheiben eingesetzt, so sind die Früchte geschützt.

Ein Besuch der Limonaia del Castel in Limone lohnt sich also wirklich. Ich kann wieder und wieder durch den Garten spazieren und ihn immer aufs Neue genießen. PS: an ausgewählten Abenden in der Saision öffnet das Muesum abends und verwandelt die Zitronengärten in ein magisches Schauspiel.

Tipp für einen Abendspaziergang durch Zitronengärten ohne Touristen: Das La Limonaia Del Castel

Wer es etwas ruhiger mag oder gar Lust auf einen Abend- oder Nachtspaziergang unter Zitronen hat, für den habe ich einen Tipp: Das La Limonaia Del Castel (Achtung Verwechslungsgefahr vom Namen mit dem Museum) ist ein Zitronengarten oberhalb der Altstadt, am Rande eines Parks am Rathaus. Er ist rund um die Uhr frei zugänglich. Hier oben verirren sich nur wenige Gäste hin. Vom obersten Punktes des Parks siehst du den See glitzern. Abends hast du den Zitronengarten völlig für dich allein, selbst in der Hochsaison. Auch an einem Sonntag Morgen findest du hier Ruhe. Einfach entspannt durchschlendern, den Duft der Zitronen atmen, die Stille im Ohr. Im Gegensatz zum Museum ist dies ein ein-Terrassen-Garten neuerem Baujahrs. Er ist nicht so ausgeklügelt in Richtung Sonne gebaut und nutzt auch sonst nicht das ganze Paket einer richtigen Limonaia. Du findest hier auch nur Zitronen und nicht die ganze Bandbreite an Zitrusfrüchten und auch keine weiteren Informationen. Daher ist der Besuch des Limonenmuseums uf jeden Fall immer gesetzt. Aber ausserhalb der Öffnungszeiten für einen herrlichen Spaziergang und zum Ruhe tanken unter Zitronen ist dieser Ort einfach magisch schön. Ein kleines Juwel, welches den meisten Limone-Besuchern verborgen bleibt.

Kostenfrei und rund um die Uhr kannst Du am Rathaus ein Zitronengewächshaus besichtigen.
Eingebettet in einen schönen Park und mit dem feinstem Panorama ist diese Limonaia.
Limone beeindruckt nicht nur mit seiner Geschichte und den traumhaftem Ufer und Seefarben sondern auch mit der einzigartigen Kulisse, denn der Ort schmiegt sich in das Bergmassiv hinein.
An diesem Standort sind die Zitronen im September noch grün.

Das Museo dei Pescatori erzählt von der Zeit vor dem Zitronenboom

Direkt an den Zitronengarten schließt sich ein weiteres kleines Juwel an: Das Museo dei Pescatori. Man mag es bei all den Touristen und Zitronen vergessen, aber einst war Limone ein uhriges, beschaulichen Fischerdorf. Von dieser Zeit erzählt das Fischermuseum. Mit viel Liebe führt es dich mit vielen Exponanten durch diese Zeit. Ich schlender völlig allein abends durch die Räumlichkeiten und tauche ein in ein fast vergessene Zeit. Ich sehe die Fischer vor mir, wie sie ihre Netze prüfen und gegebenenfalls ausbessern.

Direkt von der Limonaia findest du den Zutritt ins das Museo dei Pescatori
Die Ausstellung vermittelt eindrücklich und mit vielen Exponaten die Zeit des florierenden Fischerdorfes. Spät abends hast du es allein für dich.

Limone selbst ist natürlich einen Ausflug wert. Die Altstadt wird dich einfach verzaubern, die lange Uferpromenade muss man einfach entlang schlendern – aber Achtung: In der Saison hast du diese Gassen nie für dich allein und es herrscht großes Gedränge. Sobald den Altstadtkern jedoch hinter dir gelassen hast, findest du ruhige Strände, Spazierwege an Wasserfällen und Flüssen, zahlreiche Wanderwege und Möglichkeiten für Aktivitäten auf dem Wasser. Die neu gebaute Ciclopista del Garda – der 2 km lange Panorama Rad- und Spazierweg – im Norden Limones ist auf jeden Fall ein Highlight.

Zahlreiche Restaurants verwöhnen dich

Und Foodies genießen auf jeden Fall ein Limonen-Gelato, ein Stück der legendären Torta di Limone oder einen Limoncello – am Besten alles direkt am Ufer des Lagos. Bei den Restuarants hast du die Qual der Wahl. Meine Empfehlung: Das Restaurant der Albergo Bellavista am vorderen Promenadenteil Richtung der Bootsverleihe und der Fähre nach Malcesine oder direkt in Mitten der Alstadt am historischen Hafen im Ristorante Montebaldo. Es mutet an wie eine kleine Enoteca und gehört zum gleichnamigen Hotel.

Im Bella Vista findest du eine gute Auswahl an Antipasti, als Primo Piatti gibt es hausgemachte Pasta und im zweiten Hauptgang findest du neben Fleisch oder zahlreiche Fischgerichte.

Infos zum Museum findest du auf der Seite der Gemeine Limone:

http://www.comune.limonesulgarda.bs.it/index.asp?lang=3&menu=96&art=124

Weitere Infos:

In Gargnano gibt es ebenfalls noch einen Zitronengarten und eine Orangerie. Die Limonaia „Fondo Crocefisso“ ist jedoch nicht frei zugänglich und meines Wissens nur über das Hotel Gardenia al Lago zu besichtigen.

Weitere Lesetipps

Mein Frühjahrsausflug in Limone kannst du hier lesen. Das Museum ist in der Zeit von April bis Oktober geöffnet. Ganz in der Nähe lädt der Ponaleweg zum Wandern und Biken ein. Mehr dazu findest du hier.

Wenn du Lust auf den Geschmack der Zitronen hast, lege ich dir meine Rezepte gern ans Herz. Du findet von Antipasti, über Hauptgericht bis zu den Dolci Ideen mit Zitronen. Wie wäre es beispielsweise mit einer Tarte al Limone oder mit Zitronen-Meeresfrüchten? Dir ist mehr nach Pasta? Dann sind vielleicht die Ravioli mit Zitronen-Ricotta-Füllung etwas für dich.

Limonaia
Ein wahrer Goldschatz und für mich die strahlende Sonne
Limonaia
Sieht aus wie gemalt – aber genau so sieht es in der Limonaia aus. Na, möchtest du hier nicht auch entlang spazieren?