Viele Gardaseeliebhaber stehen bereits in den Startlöchern. Ich gehöre natürlich dazu. Es kommt langsam bei den Auswärtigen Ämtern und Regierungen Bewegung in die Möglichkeit für einen Italienurlaub in diesem Sommer. Ich bin einerseits vor Freude völlig aus dem Häuschen, andererseits jedoch habe ich natürlich auch Sorge, ob wir es alle schaffen mit diesem Privileg würdig umzugehen und die Pandemie weiter zu bekämpfen. Für alle, die sich so freuen wie ich und verantwortungsvoll mit der Situation umgehen, habe ich heute einen absoluten Gardaseetipp und nehme dich für deine Reiseplanung einmal mit auf den Rocca di Manerba. Manerba wartet mit geheimnisvoller Archäologie, traumhaften Panorama-Ausblicken, perfekten Wandertouren, Badestellen und bei niedrigem Wasserstand die Möglichkeit zu Fuß durch den Gardasee auf eine romantische, kleine Insel zu spazieren.

Ausblick von San Felice auf den Rocca
Von San Felice del Benaco hast du den Rocca die Manerba immer im Blick

Saftige Wiesen, sanfte Olivenhaine, mystische Steine, ein Gipfelkreuz und türkisfarbenes Wasser überall wo du hinschaust. Unter deinen Wanderschuhen hast du Steine, die Hände spüren das Metall des Kreuzes und der Wind zaust dir durch die Haare, den Blick weit in die Ferne gerichtet, um dich rum als Hintergrundmelodie meist italienisches Gespräche. So erlebte ich den Gipfel des Rocca di Manerba.

Der Ort Manerba del Garda mit seinen rund 5.000 Einwohnern liegt auf der Westseite des Gardasees in der Lombardei und besteht aus mehreren Ortsteilen. Direkt daneben Richtung Norden liegt San Felice del Benaco, Richtung Süden geht es nach Desenzano del Garda und Sirmione. Das Highlight ist sicherlich der Rocca di Manerba, eine große Felsnase auf einer Landzunge mit einem wirklich fantastischen Blick über den südlichen Gardasee. Von meinen Feriendomizil in San Felice Del Benaco aus hatte ich immer diese Felsnase im Blick, sogar von meiner riesigen Dachterrasse aus. Ich konnte mich schon mit dem Sonnenaufgang beim Frühstück am Anblick erfreuen. So ist es nicht verwunderlich, dass mein erster Ausflug dort hin ging. Von San Felice del Benaco ist Manerba mit dem Ortsteil Lido del Manerba rund 7 km entfernt. Da ich die Gegend in Ruhe erkunden wollte, habe ich mich zu Fuß auf den Weg gemacht, vorbei an der Kirche Chiesa del Carmine, ein Stück entlang der Straße und durch eine Wohngegend, aber auch durch Olivenbäume hindurch runter Richtung Seepromenade von Lido del Manerba entlang des Porto Torchio, des Jachthafens. Der Weg Richtung des kleinen Hafens an der langen Promenade entlang führt übrigens an der Spiaggia La Romantica vorbei. Klingt gut, oder? Von hieraus führt ein Weg hinauf zum Rocca del Manerba.

Aufstief auf den Rocca di Manerba
Ein leichter Anstieg mit fortwährender Aussicht bildet den Weg hoch zum Rocca di Manerba

Die römische Göttin Minerva war Namensgeberin

Die Legende besagt, dass der Name auf die Göttin Minerva zurückzuführen ist. Die römische Göttin der Weisheit soll hier einen ihrer Tempel errichtet haben. Minerva war nicht nur die Göttin der Weisheit sondern auch der taktischen Kriegsführung, der Kunst und des Schiffbaus. Sie wurde als siegverleihende Göttin verehrt. Später wurde auf diesem Felsen eine Burg errichtet, die lange Zeit als Festung galt. Noch heute sind die Überreste dieser Festung zu bewundern. Das Gebiet auf der Steilklippe ist heute ein eindrucksvoller Nationalpark – Parco Archeologico Naturalistico -, der viele Wandermöglichkeiten bietet aber eben auch ein Eldorado für die Archäologie ist. Das relativ neue Besucherzentrum beherbt neben einem Cafe auch ein Museum, in dem unterschiedliche Fundstücke zu bewundern sind und interessierten Besucher mehr über die Geschichte dieses majestätischen Felsen vermittelt.

Aussicht vom Rocca del Manerba
Ein großartiger Panormablick vom Rocca del Manerba, auch bei etwas diesigen Wetter erkennt man am Horizont die Bergkette.
Punta Sasso
Blick auf die Spitze Punta Sasso

Wanderglück und eindrucksvoller Ausblick im Nationalpark

Wer den Ausflug mit anderen Tagespunkten verbinden möchte und daher nur ein kleines Zeitfenster hat oder auch einfach nicht zu gut zu Fuß ist, für den bietet der Park genügend Möglichkeiten auf angelegten Wegen für kleinere Spaziergänge. Wanderbegeisterte mit etwas Trittsicherheit können vom Rocca di Manerba einen großartigen Ausflug auf die Landspitze Punta Sasso machen, die etwas unterhalb der Festungsruine liegt. Vom Besucherzentrum aus geht es Richtung Felsspitze, Ruinen nebst Gipfelkreuz. Hier kannst du den unfassbar traumhaften Panoramablick auf die südliche Region des Gardasees aufsaugen, Sonne tanken oder die Füße hochlegen. Der Gardasee zeigt sich mit einer ganz besonderen Seefarbe. Bei meinem Ausflug war die Sicht teilweise etwas diesig, aber das minderte das Erlebnis kein Stück. Hinter dem Kreuz gibt es einen sehr steilen und nicht gut befestigen Weg hinab auf die Landspitze. Hier ist wirklich gute Trittsicherheit und gutes Schuhwerk gefragt. Die etwas losen Steine beim Weg hinab rutschen schnell einmal. Das ging mir auch so. Da ich noch einen ordentlichen Weg zurück hatte und mir auch in Lido die Zeit vertrieben sowie die Sonne oben auf dem Rocca genossen hatte, hielt ich mich auf halbem Weg links und stieg wieder hinab nach Lido. Wenn du etwas mehr Zeit hast, dann folge den schmalen Pfad einfach weiter. Er führt direkt zu dem Aussichtspunkt Punta Sasso. Allerdings ist der Weg dorthin erst noch mal mit einem kleinen Anstieg verbunden. Die Aussicht entlohnt jedoch für die Mühe. Stets im Blick die kleine Insel San Biagio und im hinteren Blickwinkel bei guter Sicht auch die Isola del Garda. Du kannst entweder den Weg zurück nach oben nehmen oder dem etwas längeren Rundwanderweg zurück folgen oder beispielsweise nach Manerba nach rechts hinein oder wie ich wieder nach links Richtung Porto Torchio und Lido del Manerba. Der Park unterhalb des Roccas Richtung Manerba ist wirklich riesig und bietet viel Flora und Fauna. Ich empfehle einen ganzen Tag für dieses Gebiet zu reservieren.

Trittsicherheit
Trittsicherheit und eine gute Sohle ist bei dem Abstieg Richtung Felsspitze gefragt
Aussicht vom Rocca del Manerba
Der Blick über den Nationalpark Richtung Süden vom Rocca del Manerba. Dieses Gebiet bietet unzählige Spazier- und Wanderwege.
Aussicht vom Rocca del Manerba
Aussicht vom Rocca di Manerba auf das türkisfarbene Wasser.

Hinweistafeln zu den verschiedenen Wanderwegen und der Kennzeichnung findest du direkt am Besucherzentrum, so dass du dir deine persönliche Tour je nach Kondition und Lust heraussuchen kannst. Ich habe mir die Übersichtskarte fotografiert. Das kann ich nur empfehlen. Ich hatte eigentlich vor bis zu Landzunge vor zu laufen und habe mich in Anbetracht der Zeit dann doch umentschieden. So konnte ich mich zu jeder Zeit gut orientieren.

In Lido del Manerba einen Stop am Hafen einlegen

Manerba bietet in den Ortsteilen verschiedene Badestellen, bei denen du in das türkisfarbene Wasser bei herrlichstem Sonnenschein tauchen kannst. Das gilt auch für Lido. Ein Spaziergang vom Hafen in Lido del Manerba aus an der langen Promenade entlang, bringt dich an die Spitze, von der du bei niedrigem Wasserstand auf die kleine Insel „Isola San Biagio“ laufen kannst. Auch von hier kannst du ins kühle Nass eintauchen. Bei meinem Ausflug war dies nicht möglich. Am kleinen Hafen selbst gibt es Bars und Restaurants für Cafe, Aperitivo, Pasta und natürlich auch Gelato. Mit einem leckeren Eis in der Hand spazierte ich an der Seepromenade nach Sonnenuntergang langsam wieder zurück Richtung Norden und in mein Feriendomizil.

Promenade in Lido del Manerba
Auf dem Weg entlang der Promenade in Lido del Manerba
Ausblick auf die Kirche von San Felice
Mein Weg zurück nach San Felice del Benaco führte durch Felder, entlang Olivenbäumen und vorbei an der Wallfahrtkirche.

Da der Nationalpark sehr viel zu bieten hat und ich nur einen Ausschnitt bei meinem Ausflug sehen konnte, steht eine Tour noch mal auf meiner Liste. Diesmal werde ich das Auto nutzen um von der Südseite von Manerba aus parken und den Nationalpark und Punta Sasso ausgiebig genießen. Falls du dich fragst, warum von der Festung und den Überresten keine Fotos vorhanden sind, dies liegt daran, dass ich an einem Sonntag oben war. Im gesamten Ruinenbereich und rund um das Kreuz waren mit mir gemeinsam sehr viele Italiener unterwegs, was schöne Fotos aus diesem Gebiet einfach unmöglich machte. Im Park und auf den vielen Wegen verliefen sich die Menschen aber absolut und ich hatte viel Ruhe.

Parken:

Es gibt direkt oben auf dem Rocca del Manerba am Besucherzentrum einen Parkplatz. Dieser ist ausgeschildert. Alternativ gibt es mehrere Parkmöglichkeit in Lido del Manerba und auch am Hafen Porto Torchio. Ebenso kannst du auch im südlichen Teil von Manerba parken und von hier durch den großen Nationalpark bis hoch zum Rocca del Manerba wandern. Die Tourmöglichkeiten sind wirklich vielfältig.

WC: Am Besucherzentrum gibt es eine Toilette.

Der Parkplatz und der Eintritt in den Naturpark ist frei. Informationen und aktuelle Öffnungszeiten für das Museum – auch auf Deutsch – sind auf der Seite des Nationalparks erhältlich: https://www.riservaroccamanerba.com/de/

Rocca del Manerba
Blick auf den Rocca del Manerba vom Porto de San Felice del Benaco