Schon in jungen Jahren war meine Lieblingsbestellung beim Italiener nicht etwa Pizza sondern Gnocchi al Gorgonzola. Da hätte ich mich reinlegen können. Mein Herz ging auf, wenn ich diese formschönen Klößchen in die schmackhafte Käsesoße tunkte, der Teig die Soße aufsaugte und sich mit ihr zu einem Geschmacksepos verband. Witzigerweise wusste ich anfangs nicht, dass Gnocchi gar nicht aus dem Nudelhimmel kommen sondern aus dem Kartoffelland. Auf der Speisekarte sind sie immer unter Pasta zu finden und auch im Kühlregal stehen sie direkt neben den Nudeln. Es gibt zwar auch die Variante aus Hartweizengries, das Original bleiben aber Gnocchi di patate aus Kartoffeln. Der Name heißt übersetzt „Kloß“. Gnocchi selbst herstellen ist vom Grundgedanken kein Hexenwerk. Aus Kartoffeln, Mehl und Ei zauberst du geschickt deinen eigenen italienischen Kloßtraum. Mit etwas Übung wird dir König Gnocchi auch gelingen.

In Verona entstand die Tradition des Gnocchi-König im Karneval

Richtig, die perfekten Gnocchi zu erschaffen braucht etwas Erfahrung, aber die Grundzutaten und die Herstellungsschritte sind einfach und der Rest kommt automatisch nach und nach. Aber warum schreibe ich eigentlich „König Gnocchi“ und was hat das alles mit dem Karneval zutun? Schauen wir einmal in die Geschichte der Kartoffelgnocchi lernen wir, dass es ein Gericht der Armen ist und zur einfachen italienischen Küche dazu gehört. Man isst sie einfach mit etwas Soße. Damit diese besser aufgenommen wird, formt man nicht einfach nur kleine Klößchen sondern fügt noch die Rillen in den Teig. Traditionell wurde das Gericht am letzten Freitag vor der Fastenzeit an die Armen verteilt. In Verona hat diese Karnevalstradition angefangen. 1532 herrschte in Verona eine schlimme Hungersnot. Die Mehlpreise stiegen und die Bäcker verweigerten die Herstellung von Brot. Dies traf vor allem die armen Menschen in Verona. Ein vermögender Bürger mit Namen Tommaso da Vico hatte die Idee Essen kostenlos an das arme Volk zu verteilen am letzten Freitag vor der Fastenzeit. In seinem Testament verfügte er, dass diese Tradition auch nach seinem Tod fortgesetzt wurde und Kartoffelgnocchi verteilt würden. Und so entstand der Gnocchi-König im Karneval von Verona und die Tradition des enerdì Gnocolàr (Freitag des Gnocchhi-Königs), die auch heute noch gefeiert wird. Die traditionelle Maske des Karnevals von Verona, mit der der große Straßenumzug startet, heißt passend dazu Papa del Gnoco.

Die Karnevalszeit könnte also für mich nicht passender sein um euch mein Gnocchirezept weiterzugeben. Schaut man nach Rom, lernen wir, dass Donnerstags Gnocchitag ist und dieser an diesem Wochentag hauptsächlich serviert wird. Ihr habt die Wahl: Macht es wie die Römer und legt gleich heute los oder serviert pünktlich zum morgigen Gnocchi-Freitag in Verona eure Meisterwerke.

Ein paar Vorbemerkungen, bevor ihr startet: Am Besten eignen sich mehlig kochende Kartoffeln. Bei der notwendigen Mehlmenge kann ich nur zirka Angaben geben, da die richtige Menge an Mehl abhängig ist vom Stärkegehalt der Kartoffeln und damit variiert. Mit der bereits erwähnten Erfahrung wirst du die richtige Menge perfekt wählen können um einerseits einen lockeren Teig herzustellen, der anderseits beim kochen die Form behält.

Für zwei Portionen:

350 g mehligkochende Kartoffeln
knapp 100g Mehl
ein Ei

Zunächst kochst du die Kartoffeln. Da die Kochzeit von der Größe der Kartoffeln abhängig ist, kann ich darüber keine Angabe machen. Bei kleinen Kartoffeln reichen 25 Minuten, bei großen Kartoffeln kann das auch 40 Minuten dauern. Du merkst den Garpunkt, wenn du mit der Gabel leicht einstechen kannst. Verwende gleich große Kartoffeln, so dass auch der Garpunkt gleich ist. Die Kartoffeln lässt du kurz auskühlen und schälst sie dann. Würdest du sie vor dem kochen schälen nehmen sie mehr Wasser auf. Wir benötigen jedoch für eine gute Teigkonsistenz die Stärke der Kartoffeln. Das ist übrigens auch der Grund, warum sich neue Kartoffeln nicht eignen.

Die geschälten Kartoffeln presst du durch eine Kartoffelpresse. Die gibt es nicht nur für Kartoffelpürre sondern auch mit Gnocchiaufsatz. Mit dem Handrührer geht das Teigpressen nicht, da du damit ein feines Püree herstellst statt eines gut formbaren Teigs. Aber mit jeder Form einer Kartoffelpresse steht deinem Gnocchiglück nichts im Wege. Nun fügst du das Mehl und ein Ei hinzu. Wie gesagt, bei der richtigen Mehlmenge musst du etwas probieren. Du vermengst die Zutaten mit den Händen und formst daraus einen runden Teig. Forme nun aus dem Teig lange Rollen. Hier merkst du schon, ob dein Teig die richtige Konsistenz hat. Hast du zu wenig oder zu viel Mehl lässt sich der Teig nicht in eine gute Rolle auf einem Brett formen. Mit einem Messer schneidest du jetzt in der Gnocchi-Größe kleine Stücke. Theoretisch kannst du diese so schon kochen und die Klößchen sind fertig. Wir wollen aber natürlich die Rillen darin haben, damit die Soße gut aufgenommen wird. Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder du hast bereits ein Gnocchibrett, welches es für unter 10 Euro zu kaufen gibt. In diesem Fall rollst du die Stücke schwungvoll über das Brett. Den richten Schwung hast du nach den ersten Versuchen drauf. Alternativ kannst du die Teigstücke auch über eine Gabel rollen. Ich muss dazu gestehen, dass mir dies bisher nicht so gut gelungen ist. Bei Kochprofis im Fernsehen sah das immer so leicht aus. Vielleicht hast auch du ein Talent dazu und du schwörst auf die Gabel. Probiere es einfach aus.

Gnocchi wird über das Brett gerollt
Mit Schwung wird ein kleiner Teigkloß über das Gnocchi-Brett gerollt.

Nur eine Minute Kochzeit

Die fertig geformten Gnocchi gibst du in kochendes Wasser. Wichtig ist, diese gleich nach dem Formen weiterzuverarbeiten. Der Gnocchiteig hält leider nicht wie ein Nudelteig über viele Stunden. Die Gnocchi benötigen im kochenden Wasser zirka eine Minute. Fertig sind sie, wenn sie an die Oberfläche kommen. Dann schöpfe sie direkt ab und du kannst sie servieren. Ein Tipp: Ich koche diese nacheinander im Topf, also immer so viele auf einmal, wie nebeneinander in den Topf passen. So kleben sie nicht und zerfallen auch nicht so leicht.

Du kannst die Gnocchi mit Gemüse servieren – ganz deutsch mit Rotkraut, aber auch mit Zucchini und Aubergine, mit Meeresfrüchten oder etwas Lachs oder mit der Gorgonzola- oder einer Tomatensugo.

Gnocchi aus Kartoffeln
Buon Appetito