Ich stehe in Ufernähe im Gardasee. Das Wasser reicht bis zum Oberschenkel. Neben mir ein großes, breites Surfboard für Stand Up Paddling. Ich soll mit dem rechten Bein zuerst auf die von mir gegenüberliegende äußere Seite das Knie auf das Board setzen und in der nächsten fließenden Bewegung das linke Knie nach links außen aufs Brett nachziehen und gleich lospaddeln. Zwei Gedanken gehen mir bei dieser Ansage meines Trainers Stefano durch den Kopf. Erstens: Da muss ich mein Bein aber ziemlich hoch und weit bringen. Zweitens: Bekommt das Board nicht Schlagseite, wenn ich mit dem rechten Knie drauf bin und ich falle einfach auf der anderen Seite wieder runter. Ich blicke also skeptisch auf das Board, prüfe zunächst mit etwas Druck auf den Händen wie stabil das wohl so sein könnte und dann los. Zack bin ich oben, Beine und Füße relativ in der richtigen Position und eigentlich überhaupt nicht wacklig. Leichtes nachjustieren der Position und ab geht’s.

Stand Up Paddling steht bei mir schon lange auf dem Plan. Aber die letzte Motivation hat dann immer gefehlt bei dem Gedanken an die Praxis auf dem heimischen Main oder Rhein. Am Gardasee mit seinem klaren Wasser und herrlichem Wetter war es dann für mich also endlich soweit. Als völlig Ahnungslose in Sachen Wassersport habe ich mir zum Start eine Trainerstunde bei SUP Garda in Manerba del Garda gegönnt. Laut Website ist es Italiens erste SUP-Schule. Hier kann man nicht nur Boards leihen, Special-Touren buchen sondern auch an SUP-Kursen teilnehmen oder sich seine Privatstunde buchen. Letzere kostet 45 Euro inklusive Equipment und ist ihr Geld wert. Der Vorteil von Manerba für SUP-Anfänger: Die Bucht ist für den Bootsverkehr gesperrt. Frau kann also in Ruhe üben und hat auch vergleichsweise eine ruhige Wellenlage.

Update September 2021 am Ende des Beitrages

Meine erste Stunde auf dem SUP, Haltung noch nicht perfekt, aber eine Menge Spaß dabei.

Ich gönne mir eine Privatstunde für die Basics

Mein Trainer Stefano vermittelte mir zunächst einmal theoretische Grundlagen. Als wir uns gegenseitig begrüßen und vorstellen war das Eis sofort mit unseren beiden Namen gebrochen und Schwierigkeiten, sich diese zu merken, hatten wir auch nicht. Stefano erklärte also Stefania in einer Einführung Wichtiges zu den verschiedenen Boards und allgemein zum Equipment, wie man das Paddel auf die richtige Größe einstellt und worauf man beim Leihen oder auch bei fremden Gewässer achten sollte. Dann ging es aufs Board.

Ab aufs Board

Im flachen Teil startet man zunächst auf den Knien und steht nach einigen Paddelzügen weiter draußen auf. Auch das Aufstehen meisterte ich trotz meiner Skepsis mit Bravour. Balance ist schon immer meine Stärke. Das kommt mir hier zu Gute. Schwierigkeiten machte mir dagegen etwas die Koordination aller Gliedmaßen. Die vielen Dinge, die es zu beachten gilt, schlugen Salto in meinem Kopf. Etwas in den Knien stehen, Oberkörper aufrecht, Paddel richtig greifen, vorne einsetzen und nicht zu weit ziehen, Kopf und Blick in die Richtung, in die man steuert – to much information.

Apropos Steuern. Ich denke das war dann der Punkt, der im Kopf etwas Chaos auslöste, denn wir befinden uns ja auf einem offenen, größeren See und damit auch konfrontiert von Wind und Wellen. Auch wenn das natürlich alles nur ganz seicht ist, heißt es dennoch, Paddel links, Handwechsel, Paddel rechts und wieder wechseln, um die Linie zu halten. Je nach dem, wie man im Wasser liegt und wo man hin möchte ist da schneller Umgreifen gefragt. Ich hatte trotzdem richtig viel Spaß, auch wenn ich manchmal etwas unkoordiniert war. Ich stehe ja gerade mal 15 Minuten auf dem Board. Mit zunehmend Übung wird auch das besser. Zwischendrin geht’s auch noch mal für Trockenübungen an Land. Nach etwas mehr als einer Stunde ist mein erster SUP-Ausflug beendet.

Am Ende werde ich dann doch auch noch mal nass. Ich bin nicht ins Wasser gefallen, muss nun aber einmal reinspringen um zu lernen, wie ich alleine wieder aufs Brett komme, sollte ich einmal das Gleichgewicht verlieren und ins Wasser fallen. Auch das gestaltet sich total einfach. Hatte ich mir ebenfalls schwieriger vorgestellt. Ich strahle über das ganze Gesicht als ich das Brett an Land ziehe und meine Sachen hole.

Ich nehme Kurs auf die Isola San Biago.

Zwei Tage später leihe ich mir wieder in Manerba ein Board und übe fleißig. Als ich ankomme geht etwas mehr Wind als bei meiner ersten Session und Stefano empfiehlt mir noch eine Stunde zu warten. Tatsächlich, eine Stunde später ist es entspannter auf dem Wasser und ich starte meine zweite Runde. Ich umrunde die Isola di San Biago und nehme auch Kurs auf den Rocca de Manerba vom Wasser aus. Insgesamt bleibe ich aber immer mit großen Abstand zu den Booten und übe die richtige Paddeltechnik. Klar, man kommt irgendwie immer vorwärts, aber wenn man von Anfang an die richtige Technik verinnerlicht wird es einfach leichter.

Einfach nur in Ruhe paddeln – der Gardasee ist perfekt für SUP.

Flow und innerer Frieden – gibt es ein SUP-High?

Meine dritte SUP-Session bringt mir dann auch tatsächlich das High. Ich denke nicht die ganze Zeit wie die Bewegungen funktionieren sondern bin einfach im Flow. An diesem Tag ist mehr Wind und es sind stärkere Wellen, ich bleibe trotzdem auf dem Board und stehe fest. So wage ich mich auch weiter und auch in die Nähe der Boote. Witzigerweise habe ich sogar mehr Spaß, weil es etwas herausfordernder ist. Irgendwann ist der Kopf einfach leer, ich denke an gar nichts, bin total entspannt, paddel, sitze dazwischen auch einfach nur mal in der Sonne auf dem Brett, mache etwas Sightseeing, genieße den Panoramablick und das erfrischende Nass. Und ich spüre einfach nur einen großen, inneren Frieden.

Das Relaxen auf dem Sport bitte nicht vergessen.

Mit dem SUP auf Sightseeingtour

Vom See aus sieht man einfach noch mal ganz andere phantastische Dinge. Weshalb ich SUP auch als Sightseeingtip gebe. Klar, es ist auch ein Sport und man kann sich richtig auspowern als Sportbegeisterte, aber man kann auch herrlich entspannt vom See aus den Gardasee entlang paddeln. Nicht nur Manerba del Garda lockt mit dem SUP, es gibt am ganzen Gardasee vom Norden bis zu Süden, am Ost- und am Westufer SUP-Leihmöglichkeiten und viel zu entdecken. Von Manerba kommt man mit dem SUP beispielsweise auf die Isola di San Biagio, auf die man nur per Boot oder bei flachen Wasser vom Campingplatz in Manerba Brusthoch im Wasser per Fuß.

Auch der Rocca de Manerba zeigt sich von der Seeseite aus mit einer einzigartigen Felsseite. Informiere dich bei den Verleihstellen über die etwas windstillen Tageszeiten, meist ist das rund um die Mittagszeit. Frag auch, ob es etwas an dieser Seestelle gibt, auf was du achten solltest, sofern du da noch nicht unterwegs warst. Solltest du noch nie auf einem SUP gestanden sein, empfehle ich einen Trainer zum Start. Das ist wirklich hilfreich.

Ich bin Stefano und dem Team von SUP Garda wirklich sehr dankbar. Sie sind sehr kompetent, strahlen Ruhe aus und verfügen garantiert auch über die nötige Geduld, wenn man mal nicht so fix etwas umsetzen kann. Ich kann sie völlig unbezahlt und ubeauftragt persönlich von Herzen weiter empfehlen. Die Website ist auch in Deutsch zu haben: https://supgarda.it/de

Von See aus ist die Perspektive noch einmal ganz anders und man erlebt neue Ausblicke.
Glasklares Wasser und Orte, zu denen man mit Auto und Rad nicht kommt.

Bei all dem Paddeling solltest du aber auch nicht die Entspannung vergessen und dich ruhig mal aufs Brett setzen oder legen und die Sonne und den Ausblick genießen, Füße oder Arme ins erfrischende Nass. Nicht nur bei den aktuellen heißen Temperaturen lohnt es sich auch mal reinzuspringen und sich zu erfrischen.

Ich hatte bei einer meiner Touren eine Wassersportlerin auf ihrem SUP gesehen, die sich per Karabiner und kurzem Seil an einer Bootsboje festgemacht hat und sich auf ihrem Brett gesonnt hat. Für etwas längere Touren an der Küste entlang kannst du auch unterwegs an einem Steg oder einfach an einer Badestelle an den Strand, eine Pause machen und auch mal ein Eis schlecken gehen. Sofern du einen wasserfesten Beutel hast, kannst du Geld, Handy, ggf ein Handtuch mitnehmen und statt mit dem Auto im Stau zu stehen einfach per SUP den Gardasee erkunden.

Traue dich ruhig

Du bist Anfänger und hast Bedenken: Solltest du beispielsweise durch andere Sportarten ein gutes Gleichgewicht und Körperspannung haben ist das überhaupt kein Problem. Aber auch wenn das nicht zu deinen Stärken gehört ist Stand Up Paddeling leicht zu lernen. Vielleicht fällst du ein paar Mal mehr ins Wasser, aber das gehört eigentlich sowieso dazu und bei den sommerlichen Temperaturen und in dem wunderschönen klaren Gardaseewasser doch eigentlich ein Genuss. Schlimmstenfalls stellst du fest, dass SUPen für dich nichts ist. Die Leihgebühren sind aber überschaubar, so dass du auch hier kein großes Risiko eingehst. In jedem Fall erwartet dich die Chance, dass du wie ich, eine tolle neue Sportart für dich entdeckst und phantastische Stunden oder gar Tage erleben kannst.

It`s Boardingtime

Bei Sommerwetter und den dazugehörigen Temperaturen heißt es für mich auf jeden Fall „Boardingtime“ und es gibt nichts schöneres als einen Tag auf dem SUP auf dem Gardasee zu verbringen.

Dir fehlt die passende Unterkunft zu diesem Ausflug? Ich habe das perfekte B & B für dich. Hier stelle ich es dir vor.

Update September 2021:

Am vergangenen Wochenende habe ich mir erneut ein SUP von SUP Garda geschnappt. Für mich ist dies am Gardasee der schönste Spot für eine SUP Tour. Inzwischen stehe ich auf dem Brett wie fest zementiert, leichte Wellen, Motorboote und ähnliches machen mir nichts mehr aus und ich toure fleissig. Genau hier hast du dafür viel zu sehen: Zur Isola San Biago hinüber Richtung Isola del Garda. Es ist zwar etwas paddelei, aber die Isola del Garda kannst du dir durchaus vom SUP aus anschauen. Dahinter öffnet sich der See vor dem grandiosen Alpenpanorama.

Ich paddle weiter hinüber zu meinem geliebten Rocca di Manerba und an der Uferlinie entlang. Ich paddle, gucke, genieße und spüre wieder meinen inneren Frieden und pure Entspannung. Der hohe Felsen des Rocca die Manerba fasziniert mich vom SUP aus immer und immer wieder. Er ragt dirket vor dir hoch auf, du siehst die Felsstruktur, die Wind und Wetter dem Berg verpasst hat, ganz genau ebenso diverse Vogelarten.

Ich bin zudem mal wieder völlig begeistert von dem tollen Equipment, was SUP Garda den Paddlern bietet. Ich habe ein großartiges Board in sehr guter Qualität unter den Füßen. Das macht einfach Spaß. Schaue gern mal auf das Tourenangebot, wenn du dort bist. Vom Sonnuntergang, Mond- und auch Sonnenaufgangstour findest du verschiedene Ausflüge und auch Yoga auf dem SUP kannst du machen. Der Preis ist übrigens auch super günstig. Meine nächste Challenge wird in der Tat eine Yogaeinheit sein. Ich bin neugierig, ob ich einen Kopfstand auf dem SUP ausbalancieren kann 🙂

Kleine Anmerkung: Ich habe auch diesmal mein Board artig bezahlt und wurde für die Werbung nicht beauftragt.

SUP Manerba del Garda
Erstmal geht es Richtung der kleinen Insel Isola San Biago
SUP Garda
Kurz vor der Insel wird das Wasser wieder flach, vom Campingplatz links laufen Urlauber hinüber.
SUP Manerba del Garda
Nächster Halt die Isola del Garda, dahinter öffenet sich das Seepanorama.
SUP Manerba del Garda
Rund um die kleine Isola SAn Bagio ist das Wasser klar und flach.
SUP Manerba del Garda
Weiter geht es zum wunderschönen Rocca di Manerba.
SUP Manerba del Garda
Da die Sonne direkt hinter dem Fels stand, war fotografieren nicht so zielführend.
SUP Manerba del Garda
Entlang der Uferlinie des Rocca die Manerba kannst du einige Vögel entdecken.