Puh, jetzt ist es also soweit. Wir müssen Abschied vom Sommer nehmen und der Herbst zieht langsam ein. Nachdem ich in der letzten Woche meinen ersten Kürbis gegessen habe, hatte ich dieses Wochenende Lust auf eine richtige Herbstpasta – Pasta d’autunno. Draußen trommelt sanft der Regen, drinnen fällt meine Wahl auf Pilze, frische Kräuter und Salsiccia. Doch welche Pasta sollte es werden? Nach der Sonne und Hitze ist es doch genau richtig für einen Eier-Teig. Ich reise also in die Toskana und gönne mir Pappardelle.

Mal so richtig breite Bandnudeln aus einem Eierteig und alles von Hand machen – darauf hatte ich wirklich Lust. Ich liebe den Sommer und ich meckere auch echt nicht über die monatelange Sonne, so ein frischer Eierteig ist aber einfach was für nicht so heiße Tage. Ich hatte also leichte Entzugserscheinung.

Was den Eierteig ausmacht ist eine reichhaltige Pasta. Die Farbe ist goldgelb. Die Haptik ist ein samtig weicher, geschmeidiger Teig. Er ist so ganz anders als der Semola-Wasser-Teig. Der Mehl-Eierteig und die Pappardelle stehen für Nord- und Mittelitalien. Für eine reichhaltige italienische Festlandküche. Für viel Geschmack im Mund.

Diese Farben – diese Gerüche

Die Farben des Herbstes sind für mich braune Champignons und saftige-grüne Kräuter. Ich liebe ja schon das Einkaufen für so ein Essen. Ich schlendere durch die Obst- und Gemüseabteilung und entdecke all die Farben, die Gerüche und die unterschiedlichen Sorten. Ich entdecke rote Lauchzwiebeln und zack, ab in den Korb.  

Apropos Freude. Den ganzen Tag zelebriere ich schon die Vorfreude. Es ist Datenight-Samstag und ich bin allein. Aber das ist kein Grund keine Datenight zu machen. Ich feiere mich einfach selbst. Für mich zu kochen, mir den Tisch schön zu decken und es mir dann zum Essen so richtig gemütlich zu machen, das ist mein Verwöhnprogramm. Dann ist es soweit, es ist Zeit die Pasta zu machen.

Pastateig mit EI
Ist dies nicht eine perfekte Symbiose?
Pastateig mit EI
Ich quirle das Ei zunächst schön schaumig auf und arbeite dann das Mehl von außen nach innen ein.

Rezept für die Pasta

Ich lege die Schürze um, schnappe mir für meine Portion ein Ei, eine Prise Salz, etwas toskanisches Olivenöl und mein italienisches Mehl Typ 00 (100g). Ich mache dem Ei mit einer Schale eine schöne Mulde, es gleitet perfekt hinein und ich fange an mit den Händen zu kneten. Oh, es wird so ein geschmeidiger Teig. So sanft, so glatt, so seidig. Er ist perfekt. Im Hintergrund singt Marco Mengoni von Herzen. Und ich fühle es auch, per sempre. Für immer. Der Teig muss jetzt für mindestens 30 Minuten zu einer Kugel gerollt in Frischhaltefolie ruhen.

Pastateig mit EI
Dann knete ich mit den Händen rund 10 Minuten.
Pastateig mit EI
Der Teig ist samtig, glatt und ruht in Frischhaltefolie gewickelt.

Ich nutze die Zeit für die Vorbereitung der anderen Gänge. Ich mache mir Ofen-Tomaten/ Ofen-Paprika mit frischem Rosmarin, Zitrone und etwas Parmigiano und eine Art Parmigiana: Ich schneide mir Aubergine in dicken Scheiben, würfele Tomaten, mische sie mit Thymian und Olivenöl, gebe alles auf die Auberginenscheiben, gieße Passata auf und gebe Mozzarella darüber. Alles in Auflaufformen und für den Backofen. Mein Nachtisch wird eine Mascarpone-Ricotta-Creme mit Himbeeren. Aber es geht hier ja um die Pappardelle, daher fix zum Pastarezept.

Parmigiana
Überbackene Aubergine und Tomate ist ein weiterer Gang für heute Abend.

Mit diesem dampfendem Teller sehe ich die hügelige Landschaft der Toskana

Spoileralarm: Als ich den dampfenden Teller vor mir stehen habe, mit den frischen Kräutern, den perfekten Pappardelle, dem Aroma, fühle ich mich direkt in der Toskana. Ich sehe die weite, sanfte Hügellandschaft vor mir, die Weinberge, ich habe den Duft von Rosmarin in der Nase, der in der Toskana überall wächst. Ich habe die Farben vor meinen Augen, höre die Grillen zirpen, die dunkelgrüne, alte Ape knattert an mir vorbei. Ich sehe die Kochlöffel und Schüsseln aus Olivenholz in den Küchen, das tiefe Rot des toskanischen Weins.

Wie gern wäre ich jetzt in Montalcino, in den Hügeln zwischen Volterra und Bolgheri oder auf den Weg nach Montepulciano oder Pienza. Dieses Gericht vereint das Rustikale und das Aromatische aus der Toskana. Kennt Ihr solche Momente, wenn einfach alles perfekt gelingt und man völlig aufgeht? Genau das erlebe ich bei diesem Rezept.

Das alles macht für mich Kochen aus. Wenn ich in der Küche stehe, meine leckeren Zutaten vor mir, die Pilze unter meinen Fingern und das Messer in der Hand spüre und Gerüche und Eindrücke von meinen Reisen vor meinem geistigen Auge wieder lebendig werden, dann bin ich im Küchenhimmel.

A Mano – Pappardelle von Hand geschnitten

Mein Pastateig ist inzwischen bereit für die Weiterverarbeitung. Ich teil ihn in zwei Hälften und rolle sie nacheinander mit meinem Mattarello von Hand aus. Bei einer Pastamaschine wären es vermutlich 7 oder 8 Stufen von 9. Dieser weiche, sanfte Teig gleitet unter dem Olivenholz geschmeidig auseinander. Er ergießt sich geradezu auf meinem Pastaholzbrett. Den gerade nicht verwendeten Teig decke ich noch mal ab, damit er nicht austrocknet.

Den anderen ausgerollten Teig drehe ich um das Holz, ziehe es raus und schneide mit einem scharfen Messer ca. 2 cm breite Streifen. Diese ziehe ich auseinander und bemehle alles, damit nichts klebt. Das Ganze wiederhole ich mit dem zweiten ausgerollten Teig und habe so eine Portion perfekter Pappardelle von Hand geschnitten. Es ist ein so unfassbar gutes Gefühl, wenn das Messer auf dem Brett sanft klackt und Dir der Teig beim auseinanderfalten durch die Finger gleitet. Pappardelle komplett mit der Hand machen ist reinste Poesie. La poesia e bellissima – wunderschön.

Pastateig
Den Teig von Hand ausrollen ist ein wunderschönes Gefühl.
Pastateig ausrollen
Teig falten oder um das Holz rollen.
Pappardelle
Ich ziehe das Holz heraus und habe einen guten, gefalteten Teig.
Pappardelle schneiden
Mit einem scharfen Messer schneide ich rund 2 cm breite Stücke.
Pappardelle
Einfach an einer Ecke nehmen und aufziehen.
Pappardelle
Sind diese Pappardelle nicht ein Traum?
Zutaten
Die Zutaten für ein herrliches Gericht.

Funghi und Salsiccia – der Sugo

Facciamo il sugo – machen wir den Sugo. Für eine Portion schneide ich eine rote Lauchzwiebel in kleine Ringe, schäle eine Knoblauchzehe, nehme eine Salsiccia aus der Pelle, putze mit einem Pinsel vier mittlere, braune Champignons und würfle zwei Cocktailtomaten. Ich stelle mir zwei Esslöffel Passata beiseite, lege meine Kräuter bereit, reibe etwas Parmigiano und stelle die Pfanne auf.

Das Öl wird heiß, ich füge den Knoblauch und die gehackten Zwiebeln in die Pfanne und lasse alles kurz anbraten und gebe die Salsiccia hinzu. Als nächstes folgen die Champignons und gewürfelten Tomaten hinein, lösche mit etwas Wein ab und mische die Passata unter. Thymian, Rosmarin und frische Petersilie mische ich unter und nehme die Hitze runter. Jetzt soll alles gut durchziehen. Bei den Kräutern habe ich vier oder fünf Thymianzweige so hineingegeben und noch mal von ca. vier Zweigen die Blätter abgezupft. Glatte Petersilie habe ich die Blätter eines Zweiges richtig klein gehckt und mir vom Balkon einen langen Rosmarinzweig geerntet und geschnitten.

Der Sugo
Diese Farben, dieser Duft.
Pastapfanne
Die Pasta mit etwas Pastawasser direkt in der Pfanne mischen.

Tempo di pasta – Zeit für die Pasta. Ich stelle den Pastatopf mit reichlich Wasser auf, eine Prise Salz ins kochende Wasser, die Pappardelle hinein und lasse sie rund zwei Minuten kochen. Mit Pastawasser zusammen mische ich die Pappardelle direkt in die Pfanne. Es bruzelt und verbindet sich mit der Stärke des Pastawassers zu einer cremigen Konsistenz. Eine perfekte Pasta. Ich mische ein paar Flocken des geriebenen Käses unter und richte alles heiß auf einem vorgewärmten Teller an. Jetzt noch etwas Basilikum zupfen und mit dem weiteren geriebenen Parmigiano verfeinere ich das Gericht.

Der fertige Teller
Da könnte ich mich reinsetzen. Die Seele hüpft.

Ein Teller pures Glück

Vor mir steht ein dampfender Teller pures Glück. Meine Seele hüpft begeistert. Dieser Duft, dieser Geschmack – Die Kräuter mit dem Champignon- Salsiccia -Sugo schmiegen sich perfekt an der breiten, sanften Bandnudel. Was für ein Fest, als ich mit der Gabel in die Pasta steche und eine lange Pappardelle aufdrehe. Zusammen explodiert es förmlich im Mund. Ich schließe die Augen und lasse den Geschmack so richtig auf mich wirken. Das, liebe Leserin, lieber Leser, ist ein Pastafestessen. Das ist Toskana pur. Das ist mal eine Datenight. Ich wünsche viel Freude und Genuss beim Nachkochen und Essen. Lasst mich wissen, wie es für Euch war. Questa è Toscana pura – Das ist Toskana pur.

Pappardelle
Riechst Du es?
Pappardelle
Viel Freude beim Nachkochen.

Lust auf noch mehr Pappardelle? Hier habe ich das Signature-Gericht Pappardelle al Cinghiale. Alternativ gehören Pici in die Toskana. Stöbere gern in den weiteren Rezepten für den Geschmack der Toskana. Wenn Du Reiselust bekommst, träume Dich in diesem Beitrag nach Pienza oder Montalcino.