Bei Thermalquellen in Italien und vor allem der südlichen Toskana denken die meisten Menschen an Saturnia. Inzwischen ist es der absolute Instagramspot, bei dem man noch vor dem Sonnenaufgang antreten muss um nicht in den Menschenmassen unterzugehen. Aber kennst du die Thermalquellen von Bagno Vignoni? In Bagno Vignoni geht es ruhig und beschaulich zu. Es ist eines dieser wunderschönen mittelalterlichen Dörfer. Es ist winzig und besteht eigentlich nur aus ein paar Häusern. Etwas unterhalb des Ortes kann man in den gesunden Thermalquellen wie schon im Mittelalter baden. Zudem versteckt sich auf dem Weg zu den Quellen ein ehemaliger Mühlenpark, ein kleines Juwel vergangener Zeit. Wir flanieren bei unserem Ausflug im romantischen Ortskern, bewundern das herrliche Panorama des Val di Orcia und spüren auf dem Weg zu den gesunden Quellen die Magie einer einst blühenden Wassermühlenindustrie.

In der südlichen Toskana zwischen Montalcino und Montepulciano liegt Bagno Vignoni. Der kleine Ort gehört zu San Quirico d’Orcia und versetzt dich in eine völlig andere Zeit. Der Ort selbst besteht eigentlich nur aus dieser „Piazza delle Sorgenti“. In der Mitte steht ein Thermalbecken aus dem 16. Jahrhundert. In dem darf man zwar nicht mehr baden, aber umgeben von wunderschönen Häusern wird man sofort in die Zeit des Mittelalters versetzt. Hier badeten bereits die alten Römer. Zwischen den Säulen sitzend geht die Ruhe und Entspanntheit direkt auf mich über. Ich stelle mir vor, wie feine Damen und Herren entlangflanieren. Ich sehe den Trubel von damals rund um diese Heilquelle vor meinem Auge. Ich spüre die faszinierende Atmosphäre dieser längst vergessenen Zeit. Für mich ist das Romantik pur. Mein absolutes Glück empfand ich, als in eine der Ecken tatsächlich eine Malerin diese Atmosphäre mit ihren Farben auf dem Papier einfing.

Um das Becken herum haben sich Cafes, Restaurants und kleine Geschäfte angesiedelt. Ich gönne mir hier am Rande im Cafe Le Therme eine kleine Pause und schaue den Radlern, Thermebesuchern und Wanderern zu, die Fotos machen oder auch die Gelegenheit für eine Pause nutzen oder sich einfach ein Gelato „to go“ gönnen.

Das Thermalbecken ist das Zentrum des Dorfes.
Rund herum sind die Gebäude, die Kirche und Cafes und Restaurants angesiedelt.
Unter der Arkade lässt es sich herrlich die Atmosphäre fühlen, links dem leiblichen Wohl nachgehen.

Romantik pur oder modernes Wellness?

Wer jetzt sofort Lust auf Wellness pur in Form eines modernen Spa hat, wird in der direkten Umgebung bei verschiedenen Anbietern fündig. Rund um Bagno Vignoni haben sich verschiedene Spa Resorts angesiedelt.

Ich möchte aber lieber wie Medici die heilenden Wirkungen des sulfathaltigen Thermalwassers im Original genießen. Unterhalb des Ortes gibt es hierzu die Möglichkeit. Bei freie Eintritt kannst du in einem schönen Naturbecken entlang eines kleinen Wasserfalls mit purer Natur und Panorama die Seele baumeln lassen. Ob es tatsächlich bei Haut-, Knochen- und Gelenkbeschwerden hilft, kann ich mit meinem einem Besuch nicht sagen. Noch ein Grund, viel häufiger in der schönen Toskana zu sein. Was meinst Du?

Möchtest Du lieber in diesem Naturpool auftanken oder ist ein modernes Spa für Dich der Place to be?

Wir spazieren also von der Piazza Richtung Ortsausgang. Vor uns ergießt sich eine Postkartenlandschaft. Über allem thront der Rocca d’Orcia gegenüber. Im Vordergrund auf einem Plateau sind die ersten Überreste des Parco dei Mulini, des Mühlenparks, zu besichtigen. Nebenbei bemerkt: Der Parco gehört wie ganz Bagno Vignoni zum UNESCO Weltkulturerbe.

Im Vordergrund die Ruinen des Wassermühlenturms.
Von der Panormaterrasse kannst du den Blick schweifen lassen.
Eine herrliche Aussicht erwartet dich.

Der Parco dei Mulini erinnert an eine einst floriende Industrie

Du siehst einige Ruinen des Mühlenturms und der dazugehörigen Gebäudeteile und die Rinnen des früheren Bewässerungssystems. Das Wasser fließt aus der Richtung des Thermalbeckens der Ortsmitte kommend entlang und die steile Felslandschaft hinunter. Hier kannst du kleine Wasserfälle bewundern und von der Besucherplattform einen ersten Blick auf den Naturpool werfen, der sich in den schönsten Farben von dem weißen Kalksteinrand absetzt.

Die einstigen Mühlen wurden in die Felsen darunter gehauen. Das Wasser versorgte die umliegende Wirtschaft. Das Besondere an diesem Standort war, dass die Thermalquelle die Mühlen ganzjährig versorgte. Im Gegensatz zu den anderen Mühlen, bei denen häufig im Sommer durch trockene Flüsse kein Betrieb möglich war. Das führte dazu, dass sich mehr Unternehmen in Bagno Vignoni ansiedelten und die Gegend florierte. Hört ihr die Mühlenräder, das Wasser, welches herabrauscht. Die Stimmen der Arbeiter und die Geräusche des Treibens rund herum? Dann bist du jetzt eingestimmt, links den Weg hinab zu steigen und dir die Überreste der einstigen Mühlen anzusehen.

Der Weg zum Thermalbecken führt die steilen Kalkfelsen entlang. Auf jeder Terrasse sind die Überreste der Mühlen zu besichtigen, Tafeln erklären.

Dies ist auch der Weg, der zum Thermalbecken führt. Alternativ bleibt dir, mit dem Fahrrad oder Auto den Waldweg unten entlang zu fahren. Was das Auto betrifft, so könnt ihr euch meine Meinung denken: Ein No-Go!

Bis 1955 waren die Mühlen in Betrieb

Der Parco die Mulini besteht aus vier Terrassen bzw. vier Mühlen, die in den Felsen versteckt sind. Sie waren bis Mitte von 1950er  Jahre noch voll im Betrieb. Danach verfielen sie leider. 1999 wurden die Überreste freigelegt und werden seitdem Stück für Stück zugänglich gemacht.

Oben sieht man die Ruine mit der Aussichtsterrasse, unten ist das Gittertor der Mühle ein Stock tiefer zu erkennen.
Von oben fliest das Wasser vom Thermalbecken über verschiedene Rinnen und Wasserfälle hinunter in den Naturpool. Links unten das frei zugängliche Becken, dahinter im Bild der zweite See.

Die meisten Menschen laufen einfach vorbei. Sie nehmen vermutlich gar nicht wahr, wass sich hier versteckt. Bleibe seitlich an den Felsen. Da die Höhlen nicht sicher sind, sind sie durch Gitter gesperrt. Aber du kannst von außen rein sehen. Zu erblicken sind in unterschiedlichen Zuständen Mühlenräder, Mühlensteine oder auch Teile der Anlagen.

Solche verlassene Orte mit ihrer Geschichte haben für mich immer einen Zauber inne. Ich stelle mir vor, wie dieses Dorf einmal floriert hat. Wie diese Technik einmal im guten Zustand ausgesehen hat und wie es wohl war, als die Mühlen aufgegeben wurden und für den Verfall preisgegeben. Was waren das für Menschen, die hier gewohnt haben und gearbeitet? Wie sah es damals hier von innen aus, wie in ihren Häusern? Wie beschwerlich war die Arbeit in der Mühle auf diesen unterschiedlichen Ebenen? Und welch ausgeklügeltes System es gewesen sein musste, das Thermalwasser so aufzufangen und zu leiten, dass die Mühlen ganzjährig Wasser transportierten und die Versorgung gesichert war.

Unterhalb des Dorfes wartet mit dem Thermalbecken ein Natur-Spa

Zurück ins hier und jetzt blicke ich von einer der Terrassen herab auf das Thermalbecken. Es wird frisch gefüllt von den Wasserfällen, die über die hohen, steilen Kalkfelsen herabregnen. Das Becken selbst ist aus weißen Kalkstein. Die Farbe des Wasser milchig-türkisfarben – und darum herum das herrliche Panorama. Ich folge dem schmalen Pfad weiter hinunter. Das Wasser ist tatsächlich warm. Die Pflanzen, die am Rande ins Wasser ragen tragen zu dieser einzigaritgen Atmosphäre bei. Es gibt keine Liegeflächen, aber du kannst hinein gehen und dich auch an den Rand setzen. Am späten Vormittag sind einige andere Besucher dort.

Ein idyllischer, wunderschöner Ort zum Auftanken und relaxen.
Das Thermalwasser wird stetig erneuert.
Das Becken ist nicht tief. Es gibt eher weniger Liegefläche darum herum, aber man kann gut am Rand sitzen.

Auch Wanderer und Radler kommen hier voll auf ihre Kosten

Ich gehe den Weg noch weiter hinab, ein zweites Becken, welches in einen Teich mündet, liegt am Wegesrand. Zum baden eignet sich dieser Bereich nicht. Aber es gibt hier Schattenplätze, eine Picknickbank und ein schöner Stein, an dem ich es mir später noch mit meinem Buch und einem kleinen Picknick gemütlich mache. Zunächst erkunde ich noch ein bisschen die Gegend. Du kannst hier rund um die Thermalquellen aber auch oberhalb des Ortes wunderbar wandern und biken. Ich folge einem der Wege ein Stück, komme vorbei an einem plättschernden Bach, höre Vögel, einen Traktor am Rande eines Feldes kreiees, als sich das Waldstück etwsa öffnet. Idylle pur. Ich kehre irgendwann um, lege meine Picknick-und Lesepause im Schatten ein und steige dann den Weg vorbei am Thermalbecken und den Mühlen wieder hinauf. Am Nachmittag ist es am Naturpool völlig ruhig. Nur ein Paar genießt das Wasser, daher lege auch hier noch einmal einen kurzen Stop ein.

Die Gegend lädt geradezu zu einem Spaziergang ein.
Rechts am zweiten Becken gibt es Picknickplätze und Schatten.
In der Landschaft hast du immer und immer wieder den Rocca d’Orcia im Blick.
Eine Vielzahl an Wanderungen und Spaziergängen sind in und um Bagno Vignoni ausgeschildert.

Anreiseinfos

Im Grund gennommen ist Bagno Vignoni so klein, dass du nichts verfehlen kannst. Parkmöglichkeiten gibt es, wenn du die Straße, die in den Ort führt einfach immer gerade aus fährst, bis es nicht weiter geht. Du parkst fast an der Panoramaterrasse. Diese Parkplätze sind kostenpflichtig und liegen direkt bei der Touristeninformation.  Wenn du auf der Hauptstraße davor bereits den Schildern zu den anderen Parkplätzen folgst, findest du ausreichend kostenfreie Parkplätze auf einem Schotterparkplatz etwas oberhalb. Dieser ist jedoch nicht bewacht und etwas abseits, wenn auch zu Fuß tatsächlich nur wenige Schritte vom Ortskern entfernt.  

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