Heute habe ich einen ehrlichen Teller Pasta. Pasta e Ceci – Pasta mit Kichererbsen ist ein hemdsärmeliges Wohlfühlessen. Inspiriert von der lieben Jule von Expedition Abruzzen, die in der letzten Woche bei „ein Teller Pasta mit ….“ Pasta e Ceci zu ihren Favoriten gewählt hatte, hat sie mir richtig Lust auf dieses Gericht gemacht. Und am vergangenen Donnerstag war es soweit. Ich war etwas genervt und da ich weiß, dass mich Pasta machen immer glückselig macht, war also das DER  Tag. Ein einfacher, rustikaler Teller voll Süditalien für die Seele.

Wir reisen nach Süditalien. Die Küche im Stiefel ist orientalisch geprägt. Das ist nicht allzu überraschend, wenn man sich die Nähe zu Afrika anschaut. Apulien, Abruzzen, Latium, Sizilien, nur eine Auswahl der süditalienischen Länder, in denen es großartige „Pasta e Ceci“-Rezepte gibt. Die Cucina im Süden hat eine Vielzahl einfacher Gerichte, nahrhaft und günstig. Sie erinnert mich an die sardische Küche. Pasta e Ceci ist daher auch ein Gericht für Hunger, für Lust auf Pasta, für nach Hause kommen bei kaltem oder regnerischem Wetter oder nach anstrengender Arbeit draußen, egal ob es der Bau, das Feld oder einfach der Garten ist. Es eignet sich als einfachen sättigenden Teller zu Mittag oder als Primo piatto – als ersten Pastagang beim Abendessen.

Herzhaft – bodenständig – fruchtig oder raffiniert

Wie generell in der Cucina Italiana gibt es auch bei Pasta e Ceci je nach Region ein anderes Rezept. Das kann mal als herzhafte Suppe daherkommen, bei der man vorher die Brühe mit Suppengrün schön frisch und schmackhaft ansetzt, mal als helles Weißwein-Gericht, wahlweise auch mit deftigen Kartoffeln und mal als fruchtiges Gericht mit Tomate. Und gepimpt mit etwas Safran wird es zu einem raffinierten Geschmackserlebnis und zeigt einmal mehr den arabischen Einschlag. Als Brodo, also mehr als Suppe oder als helle Weißweinvariante ist das Gericht, welches uns häufiger in Italien begegnet.

Rigatoni
Rigatoni sind auch ganz leicht selbst hergestellt und bereichern dieses Gericht.

Das bergige Hinterland Latiums verzaubert mit Natur und Borghis

Ich habe mich für die etwas fruchtige Tomatenvariante mit Rosmarin entschieden. Das passt für mich besser zu den ersten zarten Frühlingsvorboten und nebenbei ist die Farbe der Tomaten auch ein kleiner Pluspunkt für die Optik ;-). Mein Teller ist mehr im ländlichen Latium und den Abruzzen beheimatet. Fühlt euch ein in Hügel, Berge und ein Hinterland mit zahlreichen Regionalparks, die zum Wandern oder auch Biken einladen. Vulkanseen wie der Braccianosee oder Lago di Piedilucu, der Nationalpark Abruzzen-Latium-Molise oder Gran Sasso und Dörfer wie Castel Gandolfo (der Sommerresidenz des Papstes), Castel San Pietro Romano und Amatrice. Die pulsierende Hauptstadt Rom ist nicht weit entfernt und dennoch ist es gerade wie in einer anderen Welt. Wir schlendern durch ein kleines Borghi, eines der verlassen anmutenden, urigen Bergdörfer vor dem herrlichen Panorama von den Berge des Apennin. Vor uns breitet sich die Küste aus, es liegt ein Hauch von Antike und Mittelalter in der Luft. In den Trattorien in Rom wie in dieser ländlichen Region des Hinterlandes hält die Küche zahlreiche bekannte Pastagerichte bereit wie etwa Cacio e Pepe oder die berühmte Carbonara. Risotto spielt hier nur eine Nebenrolle.  Und genau hier und genau jetzt legen wir los mit unserer Schüssel italienisches Soulfood.

Pasta e Ceci
Mit kurzen Nudeln ein Gedicht.

Die Pastafrage

Da ist zunächst die Pastafrage. Bei der Auswahl der Pastaform hat jede Region ebenso wie bei der Rezeptvariante ihre eigene Version. Generell eignen sich lange Nudelformen wie Tagliatelle oder Pappardelle, an denen die cremige Soße gut haftet.  Klassischerweise gehört zu diesem Gericht in der Region rund um Rom aber ein Vertreter der kurzen Pasta wie beispielsweise die Rigatoni oderTortiglioni. Natürlich selbst gemacht. Wie in Süditalien üblich wird die Pasta ganz der Tradition aus Semola /Hartweizengries und Wasser hergestellt. Ich habe meine Rigatoni aus dem norditalienischen Eierteig gemacht, da ich noch vom Vortag eine Portion übrig hatte. Das Rezept für den Eierteig findest du hier. Das Rezept für den Semola-Wasser-Teig findest du hier.

Rigatoni
Teig ausrollen, Rechtecke schneiden
Rigatoni
Diese mit dem Holz über ein Gnocchibrett ziehen
Rigatoni
Die Enden gut verschließen, damit sie sich beim Kochen nicht öffnen.
Rigatoni
Die Rillen sorgen für eine gute Haftung der Soße.

Das Rezept

Nachdem der Teig geruht hat rollen wir ihn aus und schneiden Rechtecke. Meine sind zirka fünf cm lang. Als Eigentümerin eines Gnocchibrettes lege ich ein Rechteck auf das Brett, rolle es mit dem Holzstab über das Brett, einerseits um die Röhre zu schließen und zum anderen um die Rillen hineinzubekommen. Die Rillen sorgen nicht nur für das pfiffigere Aussehen sondern auch bei der Soße für den nötigen Grip. Die Soße haftet besser an der Pasta. Sollte dir das Gnocchibrett fehlen kannst du die Rigatoni auch mit der Hand rollen und für die Rillen über eine Gabel ziehen. Meine fertigen Pastafreunde können auf dem Holzbrett mit etwas Mehl bestäubt warten bis sie in das kochende Wasser hüpfen können. Das Wasser setze ich schon mal auf dem Herd an und widme mich parallel dem Sugo.

Rigatoni
Pasta selbst zu machen ist entspannend und erfüllend – eine Aufgabe für die Seele.
Kichererbsen
Zwiebeln anbraten, Kichererbsen aufkochen und mit Weißwein ablöschen.
Kirchererbsensugo
Püriert sorgen die Kirchererbsen für eine Cremigkeit.
Pasta kochen
Parallel zum Sugo die Pasta schon kochen.

Kichererbsen, Tomate und frische Kräuter

Ich habe fertige Bio-Kichererbsen aus dem Frischebeutel verwendet. Getrocknete Kichererbsen müssen rund 24 Stunden vorher in Wasser eingeweicht werden, das heißt mein Essen benötigt Planung 😉. Pro Person ½ rote Zwiebel – wahlweise eine Schalotte – klein schneiden, in Öl golden anbraten, ca 100g Kichererbsen ergänzen (quando basta 😉 ), kurz aufkochen, 1 EL Tomatenmark einrühren und mit einem Schuss Weißwein ablöschen. Die Masse leicht durchpürieren. Damit meine ich, dass nicht alle Kichererbsen am Ende kleinpüriert sind. Wenn es für dich einfacher ist, lasse 1/3 der Kichererbsen zunächst beiseite und füge sie erst nach dem Pürieren zu. Ich bin einfach nur kurz mit dem Pürierstab durch die Masse und hatte so meine gewünschte Cremigkeit und gleichzeitig noch für etwas Biss durch die ganz gebliebenen Kichererbsen. Jetzt fügst du noch einen Zweig klein gerupftes, frischen Rosmarin und einen Stängel gehackte, glatte Petersilie hinzu, etwas Pfeffer aus der Mühle und einen oder zwei Esslöffel frisch geriebenen Grana Padano oder Parmigiano, lasse das Ganze noch mal kurz aufkochen und mischt noch ein, zwei Esslöffel vom Pastawasser darunter. Parallel sollte das Wasser nämlich gekocht haben und du die Rigatoni bereits ins Wasser gegeben haben. Bei den frischen Nudeln beträgt die Kochzeit rund drei bis vier Minuten. Du gibst die fertigen Rigatoni in die Soße, mischt gut durch und richtest dir deinen ganzen Teller voll Glück an, gibst abschließend noch etwas geriebenen Parmigiano darüber und genießt Gabel für Gabel.

Alternativen bei den Tomaten: Wenn du mehr Frucht und mehr Sugo statt Cremigkeit haben möchtest, verwende pro Person ½ Dose stückige Tomaten. Wenn du nur eine leichte Fruchtnote aber kein Tomatenmark möchtest, koche zwei, drei frische Tomaten bei den Kirchererbsen mit. Beides sind ebensfalls Varianten, die auch in Italien so in den unzähligen Küchen gekocht werden.

Pasta e Ceci
Ein ganzer Teller voller Seele Italiens.