Wer es etwas ruhiger mag, zwischen magischer Vergangenheit, Dörfern mit Mittelaltercharme, fantastische Natur, azurblaues Meer, berauschenden Farben, betörenden Düften und der leckersten süditalienischen Küche aufgehoben sein möchte, der ist im Winter im Westen Siziliens in der Provinz Trapani genau richtig. Hier trifft Vergangenheit auf unberührte Natur und faszinierende Landschaften ohne Touristenströme. Endlose einsame Strandspaziergänge wechseln mit dem Geist der Antike. Unterbrochen von den unfassbaren Genüssen der sizilianischen Küche, Weinen und Gerüchen und Farben von Zitrusfrüchten. Während man in der Saison die touristischen Orten allesamt nicht besuchen kann, sofern man es eher etwas ruhig und unberührt mag, ist die „Touriroute“ im Winter wunderbar möglich. Denn sehenswert sind diese Orte auf jeden Fall!

Erster Stopp: Strandspaziergang in Balestrate

Wir starten die Sizilienwoche mit einem Winterspaziergang in Balestrate, rund 57 km von Palermo entfernt. Vom Porto Balestrate geht es immer an der Wasserlinie entlang bis zum sehnsuchtsvollen Lido Le Blond. Hier erwarten dich kilometerlange, weiße Traumstrände. Besonders bekannt ist das Karibikflair von Alcamo Marina. In Lido le Blond in Balestrate erhält man auch schon einen kleinen Ausblick darauf. Wer hier Ende Dezember/Anfang Januar an einsamen, ruhigen Traumstränden wandelt, kann kaum glauben, dass hier das Leben im Sommer pulsiert. Viele Urlauber tummeln sich an den Strandabschnitte, stürzen sich ins Meer, auf Boards beim Wassersport, teilen sich die Liegen und Sonnenschirme, feiern und gönnen sich die Drinks an den vielen Strandbars. Im Winter bietet sich ein ganz anderes Bild. Alles ist geschlossen – Restaurant, Hotels, Bars und Geschäfte. Es kehrt Ruhe an der Küste ein, die frische Meeresluft, die kilometerlangen weißen Traumstrände kann man dann wirklich völlig allein genießen.

Das Wetter im Dezember und Januar auf Sizilien bietet im Grunde genommen alles: Es kann in den Bergen etwas frischer sein, auch Regen und Wind lassen 15 Grad durchaus kälter erscheinen, dann ist die deutsche Winterjacke nicht verkehrt. Anderseits verwöhnt die Sonne mit Wärme und Kraft und empfiehlt sich aus der Jacke und Pulli zu schälen und die Strahlen direkt auf der Haut, die das T-Shirt freilegt, zu spüren.

Entlang der Küste mit einem Besuch des schönsten Mittelalterdorfs: Erice

Wer über den Flughafen Palermo anreist sollte sich einen Mietwagen nehmen um die Gegend zu erkunden. Praktisch die gesamte Strecke auf der Küstenstraße von Palermo aus durch die Provinz Trapani hat reichhaltig Kultur, Kulinarik und Meer zu bieten. Auf dem Weg in eines der schönsten Dörfer West-Siziliens, Erice, geht es in engen Serpentinen hoch hinauf. Zugegeben, die Anfahrt ist etwas anspruchsvoll, aber belohnt wirklich mit Traumblicken. Bei meinem Besuch musste ich zwar weitestgehend auf  Sonne verzichten, aber auch wolkenverhangen ist es ein Traum durch den engen, verlassen wirkenden Ortskern von Erice zu schlendern. Der Ort in der Provinz Trapani bietet auf 800 Metern Höhe atemberaubende Panoramaausblicke auf Berge, Land, Strände und Meer. Das Castello und die kleinen Gassen verzaubern durch ihren Mittelaltercharme. Einfach nur romantisch während das feurige Sizilien unten auf dich wartet. Der Ort selbst ist nur für Fußgänger, direkt vor dem Tor zeugt ein großer Parkplatz für PKW und Busse von den Touristenströmen, die wohl etwas weiter im Jahr Erice besuchen. Im Winter hat man dieses Mittelalterörtchen fast für sich alleine und kann dabei auch noch die besten Dolci in den kleinen, gemütlichen Cafes und Bäckereien genießen und für zu Hause mitnehmen. Leider habe ich kein Foto von den besten Dolci: Die Genovesi di Erice sind ein Mandelgebäck mit einem cremigen Ricottakern, den man am Besten mit einem kleinen Glas Marsala trinkt.

Saline von Trapani
Salinen von Trapani – wer möchte hier einmal Platz nehmen?
Saline von Trapani
Dieser Anblick wird dich verzaubern – auch wenn du bisher kein Salzfan bist

Nicht nur die Salinen von Trapani laden zu einem Besuch ein

Wer Erice besucht, sollte das nahe Trapani nicht auslassen. Der knapp 70.000 Einwohner umfassende Ort liegt direkt am Meer und offenbart weite Blicke auf die ägadischen Inseln. Der Hafen und der alte Ortskern laden zum Bummeln, flanieren und schlemmen ein. Die Stadt ist geprägt vom nahen Afrika und der Fischerei. Neben urigen Einkaufsstraßen und Kirchen zeigt der Mercato del Pesce seine Verbundenheit zur Fischerei. Die lokale Küche bietet die volle Bandbreite an Fischgerichten. Der Mercato ist heute ein zentraler Platz der für Veranstaltungen genutzt wird.  Berühmt ist dieser Trapani jedoch vor allem für die Salinen von Trapani. Etwas ausserhalb Richtung Marsala fahrend erstreckt sich über einen sehr langen Streckenabschnitt eine einzigartige Landschaft aus Meerwassersalinen. Du wirst dich in diesen Anblick verlieben und er wird dir den Atem rauben. Auch wenn du dich bisher vielleicht nicht für die Meersalzgewinnung interessiert hast wird dich dieser Ort berühren. In rund 200 Salzmühlen und Wasserbecken entsteht durch die natürliche Verdunstung von Meerwasser feinstes Meersalz. Das gesamte Gebiet steht seit 1984 unter Naturschutz. Absolutes Muss: Für den eigenen Küchengenuss unbedingt etwas davon mit nach Hause nehmen.

Marsala – mehr als nur Dessertwein

Apropos Marsala. Auch hier ist ein Stopp ein Muss. In meinem Fall war es nur ein kurzer Stopp mit Blick auf die Küste und die Verköstigung des legendären Marsala-Wein. Entlang der Küste von Trapani geht es also an den äußersten, westlichen Zipfel von Sizilien. Marsala ist eine alte Hafenstadt. Die kleinen, alten Fischerboote, das türkisfarbene Meer, die kleinen, gemütlichen Restaurants, aber auch enge, historische Bauten und Gassen im Ortskern aus dem 16. Jahrhundert sowie ein Archäologisches Museum bieten den romantischen Hintergrund zu dem berühmten Likörwein. Der Marsala DOC ist weit über Sizilien bekannt und wird in der Küche und als Dessertbegleitung weltweit gefeiert. Die dafür zugelassenen Rebsorten werden ausschließlich in der Provinz Trapani angebaut. Es gibt drei unterschiedliche Stufen der Süße, ein Stopp mit einer Verköstigung ist nicht nur für Weinkenner und Weinliebhaber eine kulinarische Erfahrung.

Agrigent und die Tempel von Selinunte

Weiter von Marsala aus geht es an der Küste entlang Richtung Süden nach Agrigent. Die Fahrt dauert zirka eine Stunde, zeitlich ist es eine Reise in die Antike. Agrigent erwartet dich mit den Ruinen der griechischen Tempelanlage Selinunte. Tempel und Akropolis lassen dich einen Moment darüber nachdenken ob du wirklich in Italien und nicht etwa in Griechenland bist. Die beiden erhaltenen Tempel thronen auf einem Plateau direkt über dem Meer. Wer die Säulen und Tempel ausgiebig genossen hat sollte genügend Zeit mitbringen um den Blick und die Gedanken über diesen weiten Panoramablick schweifen zu lassen. Einige dieser Stadtüberreste sind bis heute gut erhalten und alleine die Weite zwischen den Anlagen vermittelt ein Bild von der Größe der ganzen Anlage. Ein großer Teil der Überreste ist bisher noch verborgen. Agrigent selbst beeindruckt durch seinen historischen Stadtkern, weitläufige Blicke, Kathedralen und Museen und Tempelbezirke. Nirgends sonst kann man soviel mythische Vergangenheit spüren und gleichzeitig unfassbare Weite, Natur und Ausblicke erleben wie hier. Klar, dass dieser Ort in der Hauptreisezeit überlaufen sein dürfte, im Winter kann man jedoch alle diese Ausblicke recht alleine genießen. Unbedingt sollte der Besuch des Herakles-Tempel auf dem Plan stehen. Dieses unfassbar weitläufige Naturdenkmal liegt malerisch in Mitten von Oliven- und Mandelbäumen. Bringe genug Zeit und auch Picknickutensilien mit, denn es lohnt sich wirklich hier etwas länger zu verweilen und die antike Luft zu schnuppern aber auch die phantastischen Ausblicke zu genießen. Zeit ist auch eine gute Idee bei der gesamten Fahrt entlang des Küstenabschnitts, denn dieser wartet mit unzähligen wunderschönen Stränden, mediterraner Fauna und kleinen romantischen Dörfern.

Mein schönster Ausflug: Das Riserva naturale orientata dello Zingaro

Zurück Richtung Palermo geht es weiter mit den Naturspektakeln. Das Naturreservat „Riserva naturale orientata dello Zingaro“ ist ein riesiges Naturschutzgebiet der bei einer Wanderung mit spektakulären Ausblicken, mediterraner Atmosphäre mit Olivenhainen, Zwergpalmen, Zitronenbäumen, phantastischen Felsformationen und versteckten Traumbuchten aufwartet. Für mich war es das absolute Highlight meiner Sizilienwinterwoche. Der Hauptwanderweg führt 7 traumhafte Kilometer an der Küste einfache Strecke entlang. Man kommt die gesamte Zeit nicht aus dem Staunen raus vor lauter Pflanzen, Tieren und Küstenblicken. Allerdings sollte man beim Staunen lieber stehen bleiben. Der Weg ist uneben, teilweise auch recht schmal und an der Seite direkt abfallend. Festes Schuhwerk ist ein Muss, ebenso wie Badesachen. Denn es verstecken sich vom Weg abgehend immer wieder kleine Pfade, die in absolute Traumbuchten führen, da lohnt ein Abstecher. Möglich ist auch nur den Küstenteil der Strecke zu gehen, es gibt jedoch einen langen Rundweg, der oberhalb zurück führt und Trittsicherheit und auch Kondition erfordert, aber auf jeden Fall sehenswert ist. Der Park selbst liegt an der Nordküste Siziliens bei San Vito Lo Capo und Scopello, hat viele Parkplätze und ist nur durch eine kleine Landstraße mit dem Auto erreichbar.

Bevor wir die Woche in Palermo abschließen möchte ich nicht vergessen deinen Mund wässrig vor kulinarischen Highlights zu machen. Die Küche Siziliens bietet großartigen Fischgenuss wie man es sich nicht schöner am Meer – und frischer – vorstellen kann. Die Sonne verwöhnt die Insel so sehr, dass man die fruchtigsten Tomaten, Auberginen aber auch Zitronen, Melonen  und letztendlich alles, was der fruchtbare Boden und die Bäume hergeben. Schleckermäuler können sich auf die zahlreichen sizilianischen Dolci freuen. Ich bin großer Fan der Cannoli, die vor allem mit Ricotta gefüllten Teigrollen.

Palermo: Prachtvolles und Pulsierendes Sizilien

Die Woche entlang der Westküste endet in Palermo. Palermo ist eine sehr prachtvolle aber auch pulsierende Stadt mit vielen Türmen und Kuppeln. Sehenswert ist natürlich der Dom, die historische Altstadt und das Teatro, das größte Opernhaus Europas. Es lohnt sich sich einfach durch die Gassen treiben zu lassen und den Blick und das Herz weit geöffnet und zu genießen. Unterbrochen von der ein oder anderen Einkehr auf einen Caffe oder kulinarische Stärkung. Mein Tipp: In einer Bar an der Theke einen Espresso trinken und die Caffeluft Siziliens in sich aufsaugen. Hier ist immer was los und es gibt viel zu sehen. In den Ohren hast du ein Stimmengewirr aus italienischen Gesprächen, die Einrichtung erinnert an die gemütlichen, engen Gassen, der Duft von herrlichem Kaffee liegt in der Luft und drinnen wie draußen herrscht eine Lebendigkeit und Trubel. Nach dem ganzen an der Küste genossenen Fisch freue ich mich schon darauf an einem der kleinen Tische vor einem Ristorante in der Altstadt draußen auf dem Gehweg zu sitzen bei einem Glas sizilianischen Wein und sich ein Stück der leckeren heißen Pizza mit den Fingern abzureißen und zum Mund zu führen, während das Öl an den Fingern entlang tropft. Hach, was ein Genuß.

Palermo wartet aber nicht nur mit Kultur sondern auch mit einer Vielzahl von Straßenmärkten. Der berühmteste Straßenmarkt ist im Capo-Viertel zu finden. Hier bin ich gefühlt komplett mit offen stehenden Mund durch die Gasse spaziert und wußte gar nicht wo ich zu erst hinsehen sollte und vor allem, ich konnte die Gerüche, die Anblicke, die Geschmäcke aber auch die Geräusche gar nicht alle aufsaugen. Pulsierendes italienischen Leben? Dies bietet Palermo in einer einzigen schmalen Gasse. Links und rechts sind die alten Marktstände eng an die Hausmauern aufgebaut, dazwischen ein schmaler Gang, durch den sich Einheimische wie Touristen schlängeln. Einer der größten Fischmärkte, aber auch natürlich viel Obst, Gemüse, Salze und Gewürze, Backwaren und zahlreiche andere Köstlichkeiten sind im Angebot. Es herrscht Gedrängel, es ist laut und völlig faszinierender Weise hupt sich hier trotzdem davon unbeeindruckt immer wieder eine Vespa den Weg durch die Massen.

Mit diesen Worten aus dem Herzen Siziliens beende ich meinen kleinen Ausflug und Einblick in eine Woche westliches Sizilien, welches rückblickend noch immer ein Strahlen und ein wärmendes Herz zaubert und auf meiner „Wiederkehr“-Liste einen Platz weit oben hat.