Mein Reisecredo ist bekanntermaßen immer nach Möglichkeit fernab der Massen unterwegs zu sein und das unberührte, das authentische Land in Ruhe kennenzulernen und zu atmen. Das gilt auch beim Thema glitzerndes Meer und malerische Badebuchten auf Sardinien. Heute stelle ich euch die Spiaggia di Cala di Trana vor. Sie liegt auf der nördlichsten Spitze von Sardinien, hinter Palau und der Punta Sardegna. Eine Ecke, an der man als Massentourist nicht vorbeikommt. Und ein Strand, an den man nicht mit dem Auto vorfahren kann. Der Weg in diese Bucht führt über zwei Wanderrouten, die beide mit etwas Kletterei verbunden sind und 30 Minuten oder auch 45 Minuten dauern oder über das Wasser mit einem Boot oder Paddel. Und um das Happy End vorweg zu nehmen, nach einem steinigen Weg verschlägt es einem die Sprache beim Anblick des vor einem liegenden Paradieses. Der Blick schweift über eine große Düne mit hellen, sehr feinen Sand und hinab in eine absolute Traumbucht, umgeben von Felsen glitzert das flache Wasser in solch unbeschreiblichen blauen und türkisfarbenen Tönen und nur leichten Wellen.

Zugegeben, ich bin beim Schreiben dieses Beitrags zwiespältig. Denn einerseits möchte ich natürlich unbedingt diese Besonderheit bewahren und eben keine Massen dort hin locken. Andererseits gibt es viele Menschen wie mich, die dieses wunderschöne Fleckchen Erde respektieren und schätzen und daher auch erleben sollten. Ich war dort Ende August, eigentlich dem absoluten Saisonhöhepunkt. Doch während sich an den anderen Stränden, an die man direkt mit dem Auto gelangt und die bewirtschaftet sind, die Urlauber tummeln, war ich, wann immer ich an diesen Strand kam, immer relativ allein. Ein paar Boote lagen vor Anker und am Strand waren über die gesamte Breite letztendlich nie mehr als 10 Handtuchplätze gebaut, oft auch nur kurzzeitig von Wanderern oder Beachhoppern, die dann weiter zogen. An dem Strand gibt es keine Toilette, kein Cafe oder sonstige Bewirtschaftung.

Kristallklares Wasser
Glitzerndes, farbenfrohes Meer

Cala di Trana ist eine eher private, ruhige Bucht

So vielfältig Sardinien insgesamt ist mit seinem Angebot an Geschichte, Kultur, Natur, Shoppingmöglichkeiten und Aktivitäten wie Surfen, Klettern oder auch Tauchen, so vielfältig ist auch das Strandangebot. Felsige Buchten, feinster Sandstrand, schwarzer Schotter, große, bewirtschaftete Strände und auch kleine, private Buchten – auf Sardinien ist einfach alles möglich. Die Spiaggia di Cala di Trana gehört zu der ruhigen, eher privaten Bucht, die allerdings eine ziemliche Größe hat. Durch die Abgelegenheit allerdings bleibt sie bisher von den Touristenströmen verschont. Der Weg lohnt sich vor allem für Alleinreisende, Paare und Familien, die ihre Ruhe schätzen und die Natur und gern aktiv unterwegs sind. Wenn man nicht als Wassersportler unterwegs ist sondern sich als Landratte nähert verschlägt es einem wie eingangs beschrieben bei dem Anblick einfach nur die Sprache.

Der Weg öffnet sich über eine breite Düne mit dem hellen, feinen Sand. Das Wasser glitzert und funkelt in den schönsten Meeresfarben. Es ist flach und kristallklar. Die Bucht ist geschützt und daher wiegen die Wellen nur sehr sanft hin und her. Der Strand ist breit und wirklich sehr lang und fein, so dass man sehr bequem mit seinem Handtuch liegend die Atmosphäre genießen kann. Schnorchelfans kommen hier ebenso auf ihre Kosten, denn direkt am Ufer schon, wenn man gerade den ersten Fuß ins samtige Wasser setzt, kann man die ersten Fische vorbeiziehen sehen. Einfach Bahnen ziehen und richtig schwimmen, dafür ist diese Bucht ebenso perfekt. Und das ist beispielsweise etwas, was ich einfach liebe. Über die gesamte Länge der Bucht im Einklang mit der Stille, den Wellen und dem herrlichen Wasser Bahnen um Bahnen ziehen, es gibt kaum einen schöneren Ort als diese Bucht dafür.

Das Paradies schützen

Meine eindringliche Bitte an dieser Stelle: Wer dieses Paradies besucht, sollte unbedingt die Natur respektieren, auf den Wegen bleiben, auch nicht über die Dünen rauschen sondern den Weg am Rande hinunter zur Bucht nehmen und natürlich seinen Müll vollumfänglich wieder mit nehmen, damit wir möglich lange diesen Flecken Erde in dieser ursprünglichen Form erhalten.

Der Weg zum Paradies

Der Weg in diese Bucht ist noch einmal eine ganz eigene Geschichte. Wenn du ein Boot hast oder mietest ist ein Badestopp hier ganz easy. Vom Hafen in Palau ist der Weg auch wirklich nur ein Katzensprung. Von einer der umliegenden Buchten wie beispielsweise des Porto Rafael lässt es sich auch mit dem SUP oder dem Kajak besuchen, der Weg ist allerdings nicht zu unterschätzen, da er um die gesamte Punta Sardegna führt und auch viel Bootsverkehr – zumindest in der Saison – bedeutet.

Für Wanderer gibt es zwei Möglichkeiten: am Ende der Costa Serena auf dem wirklich nördlichsten Zipfel der Halbinsel am Rondel direkt an der Spiaggia dela Piscina parken und dann durch die Büsche und Sträucher dem Pfad folgen in Richtung Spiaggia Talmone und der Batteria Militare Talmone. Ungefähr hier ist Halbzeit und der Pfad führt weiter Richtung Spiaggia di Cala di Trana. Der Weg ist wirklich nicht einfach zu finden und erfordert festes Schuhwerk und auch etwas Kletterei über kleinen Felsen oder über Stock und Stein. Das trifft auch auf den zweiten Weg zu, den ich gewählt habe:

Endlich eröffnet sich das weite Panorama des Paradieses

Der Wanderweg startet direkt an der Ferienhaussiedlung der Costa Serena. Dort hatte ich übrigens zuletzt mein Domizil, schön abgelegen. Ich sah immer mal wieder Menschen mit Badetüchern, Kühltaschen und Sonnenschirmen durch ein Gatter im Gebüsch kommen. Ich wunderte mich zwar, aber ich wußte auch, dass irgendwo in diese Richtung die besagte Spiaggia di Cala di Trana sein musste. Auf dem Schild zum Wanderweg Batteria Militare Talmone stand 45 Minuten. Also packte ich einfach mal mein Badezeug, allerdings lies ich den Sonnenschirm zu Hause, stieg in feste Sportschuhe und folgte durch das Gatter dem schmalen Pfad – etwas unsicher, ob das wirklich der Weg war. Ich nehme vorweg, die Unsicherheit blieb, bis ich wirklich das Meer sah. Nach wenigen Metern hieß es gleich mal über einen Felsen hinunter klettern. Nicht dramatisch für Menschen, die keine Gehschwäche haben oder Sonnenschirme, Kühltaschen oder sonstige größeres Gepäck dabei haben. Mir kam ein Pärchen entgegen, ich fragte, ob das der Weg zum Strand sei und die junge Frau antwortete nicht ganz überzeugend nur ein „si“ und ging weiter. Ich folgte also tapfer dem Trampelpfad, stieg über Äste, Steine und kletterte auch mal durch einen Felsen hindurch oder ein Stein hoch oder runter, für mich als Boulderin natürlich ein Spaß.

Hinter jeder Anhöhe oder jedem Felsen sah ich jedoch kein Meer sondern weitere Felslandschaften. Und niemand kreuzte mehr meinen Weg. Meine Unsicherheit wurde immer größer, aber ich kehrte dennoch nicht um, immer mit dem Gedanken im Kopf „Wenn du jetzt nicht weitergehst, wirst du nie herausfinden, ob da nicht doch noch eine tolle Bucht kommt“. Der Weg führte mich dann irgendwann an einer Kuhweide vorbei, die Felsen wurden weniger und es eröffnete sich das weitere Land und endlich, endlich sah ich das Meer. Es waren inzwischen mehr als 30 Minuten vergangen. Ab jetzt folgte ich einfach immer den möglichen Pfaden Richtung Meer, ein blauer Hinweis auf einem der Steine half mir dann auch bei der Kreuzung, an der man einen anderen Pfad einschlagen muss, als dem Wegweiser Richtung des Militärforts zu folgen. Ab jetzt ging der Weg auch weniger beschwerlich bergab, noch einmal durch ein Gatter durch und zack, da kamen die Dünen und es eröffnet sich das weite Panorama des Paradieses. Ich war ob der Hitze und des langen, felsigen Weges, bei dem ich noch dazu nicht wußte, ob er richtig ist, zeitweise etwas genervt.

Aber dieser Anblick belohnte und versöhnte mich sofort. Ein mehr als breites Grinsen meiselte sich in mein Gesicht und ich konnte mein Glück nicht fassen. Da war er wieder, dieser Moment, den ich auf Sardinien häufiger erlebe. Der Moment, in dem ich mich frage, ob ich hier gerade wirklich stehe oder doch nur träume und die Augen nicht aufmachen darf. Gibt es so einen Ort wirklich? In Europa und nicht vielleicht am anderen Ende der Welt? Ja, es gibt diesen Ort wirklich. Und ja, es gibt ihn auch in Europa und man muss nicht bis ans andere Ende der Welt reisen. Der Hinweg mit der ein oder anderen Irrung und Unsicherheit dauerte fast 50 Minuten, aber der Rückweg war kürzer und auch bei den weiteren Besuchen hatte ich den Weg dann auch in 35-40 Minuten geschafft.

Es gibt keinen perfekteren Tag

Aber noch mal zurück auf dem Weg durch das Gatter: Die Düne am Pfad entlang seitlich hinunter laufen, sich einen der vielen sehr einsamen Strandabschnitte suchen, Handtuch auslegen und das Paradies genießen. Ein Tag unterbrochen von Sonne, Schwimmmomenten, Blick auf das Wasser und das Panorama, viele Träumen und Seele baumeln lassen, sardische Köstlichkeiten bei einem Picknick genießen und ein italienisches Buch lesen. Es gibt eigentlich keinen perfekteren Tag.

Viel Platz und beste Aussicht bis nach La Maddalena
Ein Traum, ein Traum, ein Traum – und im August viel Platz am Strand.