Frauen an den Herd, dieser total negative Ausspruch, bei dem sich mir die Nackenhaare aufstellten, hat inzwischen für mich eine ganz neue Bedeutung. Auch wenn dieser Artikel gerade sehr passend zur Coronakrise ist, hat mein Ausflug in die Küche und mein Veränderungsprozess schon viel früher angefangen. Mehr selbst zu kochen und zu backen hat so viele Vorteile. Mit den folgenden Worten möchte ich dich motivieren und inspirieren wieder mehr Augenmerk auf das Kochen und damit verbunden auch auf das Einkaufen und Essen zu legen. Es lohnt sich wirklich. Versprochen.

Die tollsten Partys finden in der Küche statt. Das Essen mit Anderen am Tisch ist ein Ort zum Quatschen, für tiefe Gespräche, für oberflächliche Späße, lachen, sinnieren, Ideen entwickeln. Essen hat einen hohen sozialen Aspekt, verbindet und bringt Menschen zusammen. Es bringt uns näher zusammen und diese Gemeinschaft tut mir selbst sehr gut. Es stärkt unbewusst die Psyche. Für Alleinlebende und Singles gibt es immer mehr Angebote für Koch- und Backevents. Dabei steht weniger eine hochtrabende Kochkunst im Vordergrund sondern das gemeinsame Kochen und Essen. Alleine für sich selbst kochen ist aber genauso sinnvoll und wichtig.

„Die Küche ist mein Rückzugsort. Hier kann ich mich erholen.“

Ich habe früher schon immer total gern gekocht, sagte aber auch viele, viele Male, dass ich für mich selbst keine Lust habe den Aufwand zu machen und lieber nur für andere koche. Inzwischen ist das anders. Kochen ist Balsam für die Seele, es entspannt, es entschleunigt. In meiner Küche herrscht kein Jobstress, kein Coronavirus, keine Wirtschaftskrise, kein Krieg, keine persönlichen Anfeindungen und unmenschlichen Verhalten oder eines anderen sorgenden Themas.

Ich verschließe mich diesen Themen nicht. Im Gegenteil. Ich bin sehr interessiert und auch besorgt, lese jeden Tag ausführlich die Zeitung und/ oder schaue oder höre Nachrichten. Aber in der Küche hat das alles einmal Pause. Das ist mein Rückzugsort. Hier kann ich mich erholen. Ich habe schon lange Freude am eigenen Anbau von Obst und Gemüse und Kräutern auf dem Balkon gehabt und an guten Lebensmitteln und regionalen Produkten und richtig gutem Essen. Ich staune immer wieder, was so alles auf einem Balkon wachsen kann.

Aber die richtige Leidenschaft und persönliche Veränderungen habe ich im letzten Jahr erfahren. Ich bin erkrankt, war plötzlich zu Hause und konnte zeitweise gar keinen Sport machen, später nur eingeschränkt, teilweise nicht mal spazieren gehen. In dieser Zeit habe ich mich in die Küche zurückgezogen. Einen Brotteig kann ich auch in Etappen backen und auch kochen geht – manche Dinge kann man auch im sitzen ausführen. Kochen und Backen hat mir schlicht und ergreifend „den Hintern gerettet“. Es hat mich davor beschützt noch zusätzlich eine Depression zu erleiden.

Ein herrlich knuspriges, saftiges Roggenvollkornbrot mit Kokosmehl verfeinert.

In der Küche entscheidest du welche Produkte in dein Essen kommen

Kochen hat – egal ob für sich allein oder für andere – auch noch viel mehr positive Eigenschaften. Mir ist schon sehr lange eine gesunde Ernährung wichtig. Seit mein Körper sich mit schmerzhaften Entzündungen meldet, ist es mir noch wichtiger und ich habe verschiedene Ernährungskonzepte probiert und auch viel dazu gelesen und gelernt.

Letztendlich ist es einfach so, dass es nicht das eine passende Konzept gibt, sondern jeder muss für sich selbst den Weg finden, der für den eigenen Körper und die eigenen Bedürfnisse passt. Basisch und auch die vegane Ernährung sind für mich beispielsweise nicht passend, da ich zu viel auf Dinge verzichten müsste, die mir schmecken und andererseits mich auch das vegane Ernährungskonzept einfach auch gesundheitlich nicht überzeugt. Aber hineingelesen und ausprobiert habe ich beide Ernährungsformen.

Tatsächlich esse ich nur wenig Fleisch und Wurst, aber viel Fisch. Und darauf möchte ich auch nicht verzichten. Auch Milchprodukte gehören zu meinem Leben. Alles das schmeckt mir und ich halte die Aufnahme der Nährstoffe auch für wichtig. Aber egal für welches Ernährungskonzept du dich entscheidest, wenn du selbst für dein Essen in der Küche sorgst, wählst du die Produkte und Zutaten aus, aus denen Dein Essen besteht.

Das Herstellen der gefüllten, frischen Pasta ist total entspannend.

Bodenständige Alltagsküche ist unfassbar lecker, nicht teuer und einfach zu kochen

In Industrieware sind immer Zusatzstoffe enthalten. Selbst wenn es keine Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe sind, so braucht es allein schon künstliche Stoffe, die die Herstellung großer Mengen in großen Maschinen ermöglichen. Der Teig darf zum Beispiel nicht plötzlich irgendwo kleben bleiben. Das betrifft leider auch häufig das Brot beim Bäcker. Wenn du selbst kochst und backst entscheidest du auch wieviel Zucker oder Süße enthalten ist und wieviel Fett. Ich esse zum Beispiel seit jeher fettreduziert. Ein Vollfettsahnequark brauche ich einfach nicht und auch keine Fettrinde am Fleisch (ja am Fleisch ist das eine Geschmacksfrage, aber auch hier liegt noch ein Unterscheid im „mit dem Fett kochen und braten und vor dem Essen dann abschneiden“ oder ein fettdurchzogenes Stück Fleisch zu verzehren.)

Auch Zucker und Zuckerersatz reduziere ich. Natürlich esse ich auch gern süß, aber in fertigen Produkten ist häufig viel mehr Zucker als eigentlich für den Geschmack notwendig enthalten. Wenn du selbst kochst und backst, auch Kekse, Brot und Pasta, kannst du viel gutes für deine Gesundheit tun. Dein Körper dankt es dir unter anderem mit besseren Cholesterinwerten und freien Arterien. Es hilft natürlich auch gern gegen Übergewicht bei vollem Geschmackserlebnis. Ich rede hier übrigens auch nicht über Sterneküche oder kompliziertes ChiChi.

Ich habe zu Weihnachten ein Buch geschenkt bekommen über die vielen 100-Jährigen auf Sardinien. Ein Teil der Ursache liegt laut Untersuchungen darin, dass sie gesund, regional und ohne Industrieware kochen. Sie stellen aus einfachen Zutaten selbst ihr Brot, ihre Dessert und ihre Hauptspeisen her. Sardinien ist eine arme Insel. Sie kochen mit einfachen Mitteln und Produkten die sogenannte bodenständige Alltagsküche und verzichten nicht auf Kohlehydrate, Milchprodukte oder Fleisch. Das ist auch meine Art der Küche. Ich möchte nichts abgehobenes, ich möchte mit guten Produkten alltäglich kochen, aber dabei den besten Geschmack auf dem Teller haben.

Eine Scheibe Rote Beete, ein Stück Ziegenkäse verfeinert mit Walnuss und Honig – total einfach und total lecker.
Das Ragou alla bolognese köchelt
Auch ein selbstgemachtes Hackfleischragou ist unkompliziert aber unfassbar gut.

Und hier komme ich zu einem weiteren Aspekt: Die Produkte selbst. Es ist einfach so, dass Discounterware bei vielen Produkten eine niedrigere Qualität hat. Um den entsprechenden Preis bieten zu können muss die Paprika einfach kleiner sein, die Mango sehniger. Mache ruhig selbst einmal den Test und kaufe auf dem Markt oder beim regionalen Biobauern eine Paprika oder Tomate und auch gern eine Zucchini und das gleiche Produkt beim Discounter. Schaue die Größe, die Farbe, die Maserung genau an und dann achte auf den Geschmack. Du wirst den Unterschied feststellen.

Das gleich geht auch bei Obst und auch beim Fleisch. 100g Schweineschnitzel fertig abgepackt beim Discounter und 100g Schweineschnitzel frisch vom regionalen Metzger sehen nicht nur anders aus und haben verschiedene sichtbare Qualität was Fettgehalt, Sehnen etc betrifft sondern du wirst es auch beim braten merken, wenn die Discounterware mehr Wasser verliert und deutlich an Masse verliert.

Wertige Produkte sind insgesamt nicht teurer und ein Fest für die Sinne

Der finanzielle Aspekt ist dabei aus meiner Erfahrung auf lange Sicht der auch kein entscheidender Faktor. Ich habe jetzt fast sechs Monate meine Ausgaben für Lebensmittel beobachtet und kann keine Verteuerung feststellen. Wenn ich mir den Spaß gönne und mal ausrechne, was mich mein selbstgebackenes Brot kostet und was ich vorher beim Bäcker für ein Brot immer bezahlt habe, ist am Ende mein selbstgebackenes Brot sogar mit dem hochwertigen Mehl ein paar Cent günstiger.

Es kostet mich auch nicht wirklich viel mehr, wenn ich einmal im Monat ein Stück Fleisch kaufe – und das dann eben beim Metzger oder zumindest mit einer guten Bioware, bei der laut Herkunft das Tier gut gehalten und ernährt wurde. Denn nicht vergessen, am Ende habe ich aus diesem Stück Fleisch mehr Masse – und mehr Geschmack.

Wenn du auf den Wochenmarkt gehst ist das auch nicht zwingend teurer als der Einkauf bei einem Supermarkt. Dort gibt es zum einen die Ware, die selbst in der Region auf den Feldern gerade Saison hat und durch die verringerten Lieferwege sogar günstiger angeboten wird als zeitgleich im Supermarktregal. Zum anderen bieten die Marktstandbetreiber auch Ware an, die sie an diesem Morgen zu einem guten Preis und in guter Qualität beim Großmarkt dazugekauft haben. Auf diesem Weg habe auch schon Produkte erhalten, die ich gar nicht im Supermarkt bekommen habe wie beispielsweise Babyartischocken oder im Obstbereich eine neue Art der Pitaya (eine Art Kaktusfeige).

Und das Ganze ist auch nicht teuer, im Gegenteil, auch hier kannst du sozusagen Schnäppchen machen. Während du beim Discounter dich über eine kleine, zerfaserte Mango für 0,69 Euro freust, kannst du beim Marktstand vielleicht für den gleichen Preis eine große, nicht zerfaserte und vor allem sehr fruchtige und saftige Mango bekommen. Probiere es gern einmal aus und du verstehst schnell, was ich meine. Mir macht dazu das Auswählen, Stöbern und Einkaufen der Produkte total viel Spaß.

Und auch hier bietet der Markt viel mehr Erlebnis, denn du bekommst tolle Eindrücke für die Sinne, für die Augen und auch den Geruchssinn und egal ob du auf einem italienischen Wochenmarkt oder auf einem deutschen Wochenmarkt bist, nimm dir ruhig einmal Zeit und schaue einfach nur dem Treiben zu. Das ist Balsam für die Seele, es sorgt für innere Ruhe und ist wie ein Kurzurlaub im Alltag. Es hat für mich eine andere Wertigkeit.

Die große Torte di Lemone
Eine feine Zitronentarte – mit etwas Zeit und viel Liebe noch schick dekoriert.

Mehr Zeit in der Küche ist ein Invest in deine eigene Gesundheit

Apropos Wertigkeit. Ich stelle rückblickend auf das vergangene Jahr auch fest, dass ich kaum noch Lebensmittel wegwerfe, seit ich wirklich alles selbst herstelle und wertiger einkaufe. Ich verarbeite einfach alles, auch den letzten Rest Pastateig wird noch verwendet, der nach dem Ausstechen der Tortellini noch übrig geblieben ist. Beim Gemüse schaue ich, was ich da habe, was wann wie weg muss und koche entsprechend und genauso handhabe ich das mit Käse usw. Es ist mir einfach zu viel Wert.

Tatsächlich habe ich oft beim Brot eher mal eine Scheibe weggeworfen. Heute backe ich genau die Größe des Brotes, wie ich sie esse solange das Brot frisch und saftig ist und schneide sogar aus dem kleinsten Endstück noch eine Scheibe beziehungsweise esse den „Ranken“, den ich früher eher gedankenlos entsorgt habe. Auch das führt dazu, dass die Lebensmittelausgaben im Monat insgesamt nicht steigen. Für mich ist hochwertiges, regionales Einkaufen von Gemüse, Obst, Fleisch ganz egoistisch betrachtet ein totaler Benefit, für die Verkäufer, Hersteller, Tiere und Pflanzen und das Klima auf der anderen Seite wie nebenbei ebenfalls.

Auch in einem hektischen Arbeitsalltag lässt sich vieles davon dauerhaft einbauen, vorbereiten und vorkochen. Es geht auch nicht darum, es von heute auf morgen komplett durchzuziehen. Auch bei mir war es ein langsamer Prozess. Und ja, selbstverständlich kaufe ich auch weiterhin im Supermarkt ein. Ich wähle jedoch bewußt aus, was ich dort kaufe und was ich woanders kaufe.

Warum nicht ab und an mal den Kurzurlaub auf dem Markt machen, sich in die Küche zurück ziehen und statt eines Fernsehabends einfach mal einen Koch- und Essabend machen und somit für eine gesunde Lebenshaltung für den Körper UND für den Geist zu sorgen?

Zutaten für das Erdbeertiramisu
Wir selbst entscheiden, was in unser Essen kommt und wie süß wie er haben möchten

Du willst direkt los kochen? Prima. Dann stöbere doch gleich mal bei meinen Rezepten. Wie wäre es beispielsweise mit Sommer auf dem Teller mit den Taglierini al Limone hier.