Du sehnst dich nach malerischen, bunten Häusern, die sich von der Ebene in die Steilküste hoch anschmiegen, einer halbmondförmigen Bucht mit unzähligen Booten und ein Paradies für Wanderer und Biker? Dann ist Lerici genau richtig – ein romantisches Fischerdorf mit rund 10.000 Einwohner an der Küste Liguriens. Ich zeige euch, was Lerici  so liebenswert macht und stelle euch den Ort vor.

Lerici liegt ca 12 km von La Spezia Richtung Süden entfernt. Auf der Landkarte seht ihr entlang der ligurischen Traumküste die Cinque Terre, Porto Venere, La Spezia und Lerici.  Wenn du hier aus dem Bus steigst, stehst du direkt in einer Postkartenidylle. Die Bucht des Golf der Poeten (Golfo dei Poeti) öffnet sich in ein langgezogenes Hafenbecken. Unzählige kleine und große Boote liegen vor Anker. Wer hier lang flaniert kann vom einfachen Ruderboot über die diversen Fischkutter bis hin zu modernen Motorbooten und Segelbooten alles sehen. Eine ewig lange Promenade ermöglicht tolle Spaziergänge. Entlang der Bucht reihen sich Restaurants und Osterien aneinander, die alle wirklich dem frischesten Fisch bieten, den ihr jemals gegessen habt. Die Fischkutter legen direkt davor an und liefern ihren Fang ebenso direkt in die Küche. Eine klare Empfehlung meinerseits geht an euch, hier unbedingt einzukehren. (Genau hier habe ich in einer Osteria selbst am Herd mein persönliches Kitchen Impossible erlebt. Meinen Bericht dazu liest du hier).

Lerici
So kennt man es von Postkarten aus Italien, oder?

Romantische Postkartenidylle

Am Ende der Promenade ragt vorne auf der Landspitze zum offenen Meer das Castelo oben hervor und du siehst, wie sich die bunten, schmalen Häuser nach oben ansammeln. Du drehst dich leicht und siehst auf den großen zentralen Platz, die Piazza di Garibaldi, und den Anfang des malerischen Ortskerns mit schmalen, verwinkelnden Gassen, kleinen Geschäften zum Bummeln, vielen Cafes und Gelaterias. Oben darüber ragen imposante Villen aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit ihren großen Gärten und den dahinter liegenden Wald heraus.

In der Burg ist ein paläontologisches Museum beheimatet. Aber auch für Nicht-Museumsgänger ist der Aufstieg lohnenswert, denn man hat einen phantastischen Blick in die gesamte Bucht und über den Ort. Den Ausblick kann man auch gut von einer der Bänke genießen. Mein Tipp: Einen Espresso auf der Außenterrasse trinken. Ich muss gestehen, der ganze Ausflug hat sich für mich angefühlt wie ein Traum. Du sitzt zu Hause und siehst die tollen Fotos von der Riviera, von Portofino und auch weiter südlich von Amalfi und dann stehst du plötzlich wirklich direkt in einer solchen Landschaft. Ich konnte mich an dem Anblick keine Sekunde satt sehen und kann es immer noch nicht.

Wanderer und Biker kommen hier voll auf ihre Kosten

Im Sommer – besonders im Juli und August – finden Lerici leider sehr viele Touristen und Urlauber ganz toll und der Ort ist schnell überlaufen. Wenn ihr könnt, meidet diese zwei Monate und plant euch eher an den Rande der Hauptsaison oder geht in die Nebensaison.  Wer aber das Wandern und Mountainbiken liebt, findet hier zu jeder Jahreszeit sein Paradies. Die ganze Region bietet für alle Outdoorbegeisterten fernab der Massen eine Vielzahl von ausgeschilderten Wanderwegen und Mountainbike-Trails. Von Lerici aus in südlicher Richtung schließt sich der Naturpark Montemarcello-Magra an und lädt mit seiner wilden Berglandschaft, Steilküste, atemberaubenden Panorama, charmanten, verlassen wirkenden Bergdörfern und Pinienwälder und reichhaltiger Pflanzenwelt ein. In genau dieses Italien wirst du dich unsterblich verlieben, spätestens, wenn du die Nonna mit ihrer Kittelschürze vor ihrem alten Haus in einem der Bergdörfer sitzen siehst.

Eine Wanderung, die nicht viel Können erfordert, aber auf Grund des Höhenunterschiedes dennoch anspruchsvoller ist, ist die Wanderung von Lerici nach La Serra hoch über Fiascherino und mit einer kleinen Meerpause in einer malerischen – nicht so bekannten – Bucht wieder zurück.

La Serra
La Serra – ein uriges Bergdorf um sein Herz zu verlieren.

Wanderung Lerici nach La Serra

Der Rundweg ist rund 8,5 Kilometer lang und je nach Tempo und Pausen in 3,5 Stunden machbar. Der Weg ist gut ausgeschildert. Er startet in der Ortsmitte auf dem großen Platz, der Piazza Garibaldi, einen kleinen Durchgang rechts neben der Via Roma in Richtung Norden/Berg die Via Andrea Doria hinauf. Der schmale Pfad schlängelt sich steil nach oben, bietet aber immer wieder wunderschöne Ausblicke, die man beim durchatmen genießen kann. La Serra ist ein altes Bergdorf mit dem ganzen Charme eines urigen italienischen Dorfes. Bei meinem Besuch wirkte es geradezu unbewohnt und nur zwei ältere Italiener kreuzten unseren Weg. Hier liegt das Herz Italiens. Der Weg führt immer weiter, die Pfade sind schmal, nachdem ihr La Serra passiert habt, geht es langsam auch wieder bergab. Die erste Hälfte ist jedoch ein einziges Bergauf. Aber denkt imer daran, die Anstrengung lohnt sich. Wie bei jedem Berg ist die beste Aussicht einfach immer ganz oben. Olivenbäume, Pinien und unterschiedliche prachtvolle Blüten, Bäume und Büsche säumen den Weg – hinauf und hinunter. Der Weg ist nicht immer befestigt und man muss auch mal über ein Bachbett klettern, schwer ist er allerdings nicht.  Immer im Blick, das komplette Meerespanorama. So vergeht die Zeit wie im Flug.

Lerici
Wer kann diesem Panoram widerstehen?

Beim Abstieg von Fiascherino habt ihr die Möglichkeit auf einen Zwischenstopp in einer malerischen, nicht ganz so leicht zu findenden Bucht: Cala di Maramozza. Sie ist nicht beschildert, hätte ich keine Begleitung gehabt, ich hätte den Weg nicht gefunden, denn mitten von der Landstraße führt eine sehr, sehr lange schmale Treppe direkt neben einem Haus hinunter. Gefühlt hört diese Treppe nie auf und ich sage auch gleich dazu, der Rückweg hinauf ist ein fast endloses Bauch-Beine-Po-Training. Aber einmal unten angekommen, wenn man den ersten Blick auf dieses kleine Paradies wirft und sich beim Weitergehen plötzlich die Bucht zwischen den hohen Felsen öffnet, lässt all das sofort vergessen und du möchtest hier für immer bleiben. Aber Achtung: Bewahrt dieses kleine Paradies. Die Bucht ist wirklich sehr klein. Gruppen und viele Menschen passen dort wirklich nicht hin. Es ist ein kleines, feines Kleinod. Respektiert dies bitte und macht daraus keinen Instagram-Spot 2021. Anfangs sah ich keine Fotos davon, inzwischen immer mehr. Auf der Straße wieder oben angekommen geht es nun direkt zurück, immer abwärts und immer das Meer im Blick. Die Wanderung endet nach dieser schönen Zeit direkt an der Burg von Lerici.

Lerici
Da kann man vor Begeisterung doch nur in die Luft springen 🙂

Ein Tipp für einen richtigen Strandtag ist übrigens der lange Sandstrand in San Terenzo. Ihr findet ihn entweder, in dem ihr im Hafen die lange Promenade nach rechts immer weiter lauft oder aus dem Ort Richtung La Spezia hinaus fahrt. San Terenzo grenzt direkt an Lerici.

Als Ausflugziele bieten sich neben La Spezia natürlich auch die Träume Porto Venere und Cinque Terre mit ihren Badespots, kleinen Dörfern und riesigen Wander- und Bikemöglichkeiten an (Zu meinem Beitrag über Porto Venere). Wenn ihr von zu Hause aus recherchieren möchtet findet ihr eine Vielzahl von Tourenvorschlägen auf den einschlägigen Outdoor- und Aktivportalen. Während man zwar wunderbar auch gemütlich mal von der Unterkunft in einen Ortskern radeln könnt, ist die Region insgesamt nur etwas für Radler mit Kondition. Es gibt eine Vielzahl von Wegen, durch die Steilküste geht es fortwährend jedoch immer bergauf und bergab. Per Boot sind diese Orte ebenfalls bestens zu erreichen – aber auch einfach mal so ein Boot mieten und aufs Meer hinausfahren steht für einen Traumurlaubstag und ist definitiv weniger anstrengend.

Lerici
Entlang dieses Panoramas führen viele Wanderwege

Das Auto besser stehen lassen

Noch ein Wort zum Thema Anreise, Fortbewegung und Auto. An der gesamten ligurischen Küste sind Parkplätze rar. Dafür ist die Region perfekt mit einem Busnetz bzw die Cinque Terre mit der Bahn ausgestattet. Am Besten lasst ihr das Auto an der Unterkunft stehen. So habe ich es auch gehalten und bin prima und entspannt überall hin und angekommen.

Die Buskarten erhaltet ihr manchmal an einem Automaten, oft aber nur über die sogenannten Tabaccheria/ Tabbacci – Zeitungs- und Zigarettenläden. Hier findet ihr auch Hilfe und Infos zu den Liniennetzen und Haltestellen. Die Busfahrer verkaufen keine Tickets. Die Blankotickets müsst ihr dann bei der Fahrt im Bus stempeln. Ich bin sehr gut über dieses Internetportal vorwärts gekommen und mit Infos über Preise, Fahrpläne und Strecken versorgt worden: https://www.rome2rio.com.

Lerici und die ligurische Riviera sind auf jeden Fall Orte zum Wiederkehren für mich.

Lerici
Die ligurische Riviera – hier der Blick von der Burg die Küste hinunter
Lerici
Auf jeden Fall ein Ort um immer wieder zu kommen.