Ich habe das Kochen sozusagen aus therapeutischen Gründen für mich wieder entdeckt. In den vergangenen Monaten hatte ich verschiedene gesundheitliche Botschaften zu verdauen. Allein in meiner Küche zu stehen und mit voller Konzentration auf die Verarbeitung der Produkte zu achten, dabei Ruhe zu haben um am Ende für mich eine liebevolle, richtig toll schmeckende Mahlzeit zu kreieren und mich damit zu verwöhnen hat in der Tat therapeutischen Wirkung. Und Bähm! Sehe dir diese kleinen Scheisser an. Sind sie nicht absolut phantastisch geworden? Ich finde, sie sehen richtig toll aus, haben mega genial geschmeckt und mir ging es hinterher wieder viel besser. Mein Tortellini-Rezept mit einer Tomaten-Oliven-Füllung verrate ich dir in diesem Blog – für dich allein oder vielleicht auch für deinen Liebsten? Bella Italia in deiner Küche.

Ich erlebe bei der Herstellung von frischer Pasta ein solches pures, inneres Glück, welches ich gar nicht richtig in Worte fassen kann. Wieder und Wieder bin ich begeistert, manchmal sogar so sehr, dass ich gar nicht weiß wohin mit meiner Freude. Ich bin stolz auf das Gericht, welches ich geschaffen habe. Ich feiere einen Erfolg. Einen Erfolg, bei dem ich keinen Pressetext geschrieben habe, keinen Artikel online gestellt habe, keinen besonders tollen Fernsehdreh hatte oder gar ein Krisenthema in einen positiven Beitrag um gedreht habe – für andere. Ich feiere einen Erfolg, bei der ich konzentriert und mit absoluter Leidenschaft ohne Stress und ohne Hektik Mehl oder Grieß abgewogen und auf ein Holzbrett geschüttet habe, eine Mulde geformt, darin einen Esslöffel Öl und eine Prise Salz versenkt habe und ein Ei. Ich habe mich genau an diesem Anblick erfreut, völlig meditativ diese Produkte mit meinen Händen gefühlt und verknetet, dabei auch aus dem Fenster geschaut, meinen Gedanken nachgehangen und gespürt wie die einzelnen Komponenten sich immer mehr miteinander verbinden und sich die Konsistenz immer weiter verändert bis es ein geschmeidiger, sanfter, weicher Teig ist. Das ist mir vorher noch nie wirklich aufgefallen.

Tortellini fertig im Teller
Tatataaa, frische Tortellini mit Tomaten-Oliven-Füllung

„Es ist nicht mehr nur einfach ein paar Zutaten möglichst schnell in einen Topf gehauen“

Mit genau der gleichen Freude und dem gleichen motivierten Engagement habe ich Tomaten und Oliven in die Hand genommen, kleingeschnitten und mit den Händen in einer Schüssel vermengt, den Teig ausgerollt, ausgestochen und gefüllt. Ich habe all meine Leidenschaft und meine Begeisterung in das Formen der Tortellini gelegt und geradezu liebevoll den Teig am Ende zusammengedrückt, so dass die Form geschlossen ist. Und schau, was am Ende dabei herausgekommen ist: Sehe dir diese kleinen Zwerge an: Sind sie nicht allerliebst geworden? Jedes Einzelne macht mich glücklich. Jedes Einzelne feier ich. Jedes Einzelne habe ich mit meinen eigenen Händen geschaffen. Mit viel Liebe und dem Auge arrangiere ich am Ende diese Kunst auf meinem Teller oder besser gesagt in einer passenden, türkisfarbenen Schale. Ich gieße mir dazu sogar ein Glas Wein ein, denn das haben sich die Tortellini verdient, das habe ich mir verdient. Eine perfekte Harmonie mit einem guten italienischen Rotwein mit einer leichten Beerennote. Ja, plötzlich sehe ich auch den Wein in einem anderen Licht, obwohl ich doch kein Weinkenner bin. Aber diese beiden verbinden sich zu einem perfekten Zusammenspiel um mich zu verwöhnen. Das macht Kochen inzwischen für mich aus. Es ist nicht mehr nur einfach ein paar Zutaten möglichst schnell in einen Topf gehauen und mit einem Teller vor den Fernsehen gepflanzt.

In einem leichten Tief mit nicht so guten Nachrichten habe ich mich einfach in meine Küche verzogen, bin ohne auf die Uhr zu schauen oder die Zeit zu beachten, eine Zeit lang einfach mal abgetaucht aus der Welt und es ging mir danach wieder gut. Raus aus dem Tief und die pure Freude an diesen einfachen Dingen erlebt. Natürlich hat sich weder an der Welt noch an meinen Nachrichten etwas geändert, trotzdem ist das Tief überwunden und der Blick wieder positiv.

Der Arbeitsplatz für die Tortellini
Sozusagen Homeoffice: Mein Arbeitsplatz, wenn ich mich in die Küche zurückziehe

Tortellini ist einfach Küche mit bodenständigen Produkten und viel Herz

Bemerkenswert ist auch: Diese Tortellini sind zwar mit absolutem Herzblut hergestellt worden, aber es ist eine einfache Küche. Ich kreiere hier keine französische Sterneküche sondern aus wenigen, einfachen, bodenständigen Produkten eine Köstlichkeit für Augen, Nase, Mund und sogar die Seele. Ich habe in den vergangenen Monaten so viele Fortschritte gemacht und so viel gelernt. Dabei habe ich eine ganz große Erkenntnis: Du machst in der Küche keinen Fehler. Es sind Erfahrungen und Weiterentwicklungen. Natürlich gelingt auch mal etwas nicht oder es gelingt zwar schon, aber ich merke, es geht noch besser. Je mehr ich ausprobiere und Erfahrungen sammle um so mehr gelingt mir auch beim ersten Versuch schon was richtig Tolles. Oft ist mein erster Versuch aber auch einfach der Prototyp und ich verbessere im zweiten Anlauf das Gericht noch mal. Das sind dann einfach nur Kleinigkeiten, die aber noch mal einen drauf setzen.

Ich weiß nicht, ob du etwas von dem nachvollziehen kannst, was Kochen für mich ausmacht. Ich teile meine Gedanken gern mit dir, vielleicht geht es dir ja genauso. Vielleicht habe ich dir auch einen Gedankenanstoß gegeben. Wenn du das folgende Gericht versuchst nachzukochen und irgendwas funktioniert so nicht, dann ärgere dich nicht. Bestelle eine Pizza beim Lieferservice und mache beim nächsten Versuch etwas anders. Nimm es locker.

Vielleicht hast du auch gleich nach der Einleitung zum Rezept gescrollt. Auch das ist natürlich okay, denn dieses leckere Rezept wird dir schmecken.

Bei der Menge für deinen Einkauf kommt es nun noch darauf an, ob du die Tortellini als alleinige Hauptspeise essen magst oder wie beispielsweise in Italien üblich es als Primo als einer von vier Gängen essen möchtest.

Rezept:

Für 12 Tortellini gefüllt benötigst du:

70 g Semola integrale (italienischer Feinkostmarkt) alternativ deutsches Mehl oder Hartweizengrieß
1 Ei
Prise Salz
je nach Teigkonsistenz noch etwas Wasser
3 Romanatomaten
1 guten Esslöffel schwarze Oliven
ein Stück Limette, etwas Parmesan, einen TL gehackte Mandeln

Ich habe es nicht verwendet, aber wenn du es magst, nimmt ruhig auch etwas Knoblauch und Zwiebel in die Tomaten-Oliven-Füllung. Passend wäre es.

Tortellini - der Teig
Die Form habe ich mit einem kleinen Tortenring von 10 cm ausgestochen.

Das sind die einzelnen Schritte:

Schütte das Mehl in einem kleinen Haufen auf ein Holzbrett und forme eine kleine Mulde. In diese fügst du Ei, Öl und Salz. Dann fängst du an von außen nach innen das Mehl mit den flüssigen Zutaten zu vermengen. Am Anfang kannst du auch gern mit einer Gabel oder Löffel benutzen. Sobald alles einigermaßen vermengt ist, fängst du an mit deinen Händen zu kneten. Vermutlich ist der Teig etwas zu trocken. Füge hier nach und nach noch einen EL Wasser hinzu oder mache dir die Hände nass und knete so die Flüssigkeit ein. Hier musst du jetzt selbst ein wenig mit Gefühl arbeiten, da ich hier keine konkrete Flüssigkeitsangabe machen kann. Es kommt auf die Wahl des Mehls an, auf die Wärmer deiner Hände, auf die Art des Knetens. Es darf einfach nicht bröseln sondern muss sich nach und nach zu einem geschmeidigen Teig verbinden. Pastateig kneten dauert schon so 10 Minuten, bis er richtig gut und elastisch und glatt ist. Halte durch.

Für die Füllung schneide Tomaten und Oliven klein und vermische sie mit etwas Saft der Limette.

Tortellini - die Füllung
Nicht zu viel Füllung verwenden, sonst klappt das Schließen und Umschlagen nicht.
Tortellini - zum Hlabmond geformt
Einmal in der Mitte zum Halbmond umlegen, andrücken und die linke und rechte Ecke umschlagen.
Tortellini
Sind diese kleine Prachtstücke nicht allerliebst?

Rolle den Teig aus, ich habe das mit der Pastamaschine gemacht und zuletzt die Stufe 8 von 9 genommen, damit der Teig nicht zu dünn wird. Ausgestochen habe ich die Tortellini mit einem kleinen Tortelettring (10 cm Durchmesser). In die Mitte kommt ein bisschen von der Füllung. Wichtig ist, nicht zu viel zu verwenden. 2, 3 kleine Tomatenstücke und Olivenstücke reichen. Du schlägst die Tortellini zu einem Halbmond um, drückst die Enden fest zusammen, nimmst die linke und die rechte Ecke in die Finger und drehst die Form nach hinten und drückst die Enden aufeinander.

Wenn du bereits Salzwasser zum kochen gebracht hast, kannst du die Tortellini gleich in das Wasser geben und rund 2 Minuten kochen. Die Reste der Füllung brate kurz im Topf an und fülle sie auf den Teller. Die Tortellini darauf geben, etwas Limettensaft, Parmesan und gehackte Mandeln darüber streuen und servieren.

Ein Teller Tortellini
Dieser Teller sieht toll aus und es schmeckt auch toll.
Tortellini
Meine kleine Tortellini-Parade