Montalcino ist einer der italienischen Orte in Sachen Wein. Die hügelige Landschaft der südlichen Toskana bietet die perfekte Weinlage. Sein berühmtestes Geschöpf ist der Brunello di Montalcino. Ein sündhafter guter und sündhaft teurer Rotwein. Er bringt jedoch viele weitere Geschwister des guten Geschmacks mit. Ich mache mich auf dem Weingut Corte Pavone vor den Toren Montalcinos auf die Suche nach dem Geheimnis des Brunellos und des biologischen Weinbaus. Bei meiner Pastaherstellung lege ich meine ganze Passion mit Liebe zum Detail in jeden Schritt von der Auswahl des Mehles, über den handgekneteten Teig bis hin zum liebevollen in Kochwasser gleitenden Pastakreation. Diese Sorgfalt macht den Geschmack aus. Genau dieses Prinzip gehört auch dem Wein der Tenuta Corte Pavone. (Beitrag enthält Werbung).

Es gibt unzählige Weingüter in der Toskana und auch rund um Montalcino. Doch ich möchte nicht in irgendein Weingut. Ich bin auf der Suche nach Winzern, die eine ähnliche Philosophie leben wie ich. Ich werde fündig auf dem Weingut von Corte Pavone. Auch wenn mich die Sonne an diesem Tag nicht so sehr verwöhnt und ein Gewitter aufzieht, spüre ich kindliche Vorfreude als ich vor den Eingangstoren des Weingutes stehe. Im völligen Toskanastyle empfängt mich eine schier unendliche Zypressenallee als Auffahrt, leicht bergangehend, am Anfang steht ein beeindruckendes schmiedeeisernes Tor. Links und rechts erstrecken sich die Weinberge und die wunderschöne Landschaft der Toskana.

Corte Pavone
Los gehts – Entdecke mit mir dieses familiäre Weingut.

Eine unendliche Zypressenallee empfängt mich

Ich steige ins Auto und fahre die Allee entlang, hinter der Kurve taucht rechts zunächst das Wohnhaus und direkt dahinter die Weinkeller-Gebäude und die große Halle für die Verkostung und den Verkauf auf. Auf dem Parkplatz hat sogar mein Auto eine tolle Aussicht. Während ich aussteige fangen meine Augen an immer mehr zu leuchten. Direkt von der Terrasse, auf der romantische Eisen-Stühle mit weichen Kissen und Tische auf ihre Gäste warten, sehe ich hinüber auf die Silhouette von Montalcino. Unglaublich schön. Während ich mich noch von dem Panorama überwältigen lasse kommt bereits eine sportliche, blonde Frau auf mich zu, die eine wunderbare Energie und Fröhlichkeit ausstrahlt.

Gigi ist wie ich Deutsche, hat aber ihr Herz und ihre Heimat in Montalcino. Sie verwöhnt hier die Gäste und begeistert in ihren Führungen – tatsächlich hat sie mich nach nur wenigen Metern mit ihrer Leichtigkeit und ihrer Art zu erzählen. Ich tauche interessiert in die Welt des biodynamischen Weins ein. Auch wenn die Führung für mich kostenfrei ist, ich schwärme aus absoluter Überzeugung. Wie immer so bekommt ihr auch in diesem Beitrag mein ganz reales Erlebnis, nicht beschönigt oder beeinflusst. Wenn ich etwas nicht gut finden würde, würde ich es euch niemals empfehlen oder schön schreiben.

Corte Pavone
Eine idyllische Zypressenallee wartet darauf, von dir begangen zu werden.

Was verbindet Waffeln mit einem Weingut?

Zurück zu Gigi und meinem romantischen Date auf Corte Pavone. Wir spazieren zu den Weinbergen, vorbei am Wohnhaus mit einer Holzschaukel, die an einem Baum befestigt und sanft im Wind schwingt. Manchmal sitzt der Firmengründer vor seinem Haus. Heute leider nicht. Gigi erzählt mir zunächst etwas mehr von Loacker, der Familie, die hinter dem Weingut steht. Klingelt es bei diesem Namen bei dir? Richtig, Loacker kennen wir – ich zumindest – als Süßwarenunternehmen. Ich sehe die Loacker-Waffeln direkt vor mir.

Was also verbindet ein Süssigkeitenunternehmen mit einem Weingut? Ganz einfach: Die Liebe zu Italien und der Traum ein eigenes Weingut zu bewirtschaften. Rainer Loacker fing 1979 mit einem Weingut an, heute gehören ihm drei. Alle drei werden im Familienbesitz bewirtschaftet. Das bedeutet Vater Rainer mit seinen drei Söhnen und den Familien kümmern sich darum. Mit dem Süßwarenunternehmen haben sie nichts mehr zu tun.

Corte Pavone
Romantisch, idyllisch und einfach Erholung pur bietet das Weingut.

Hier wird von Hand gearbeitet

Von Anfang an war die biologische Herangehensweise wichtig. Obwohl ich bisher eher der Weintrinker und -Genießer war, finde ich dieses Thema nun umso spannender. Hier wird fast ausschließlich von Hand gearbeitet. Hayo Loacker, einer der Söhne, ist Önologe. Sein Wissen bringt er hier auf der Tenuta Conte Pavone ein. So hat er beispielsweise die gesamten Weinberge vermessen, mit Sensoren ausgestattet und in unterschiedliche Zonen aufgeteilt. So entstanden die für Corte Pavone stehenden sieben Crus in Montalcino. Alle 14 Tage prüft er die Reben. Das ist sehr aufwändig und auch unglaublich beeindruckend, wenn man vor diesen vielen Hektar steht.

Corte Pavone
Wir entdecken die unterschiedlichen Sektoren mit verschiedenen Böden.
Corte Pavone
Reine Handarbeit – auch bei der Versorgung der Reben.
Corte Pavone
Die Weinberge umfassen viele Hektar, die mit großer sorgfalt biodynamisch bewirtschaftet werden.

Biodynamik und Homöopathie

Mit dieser Sensibilität und Hingabe entstehen die Spitzenweine. Ich hänge an Gigis Lippen als sie mir einen Einblick in die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten wie etwa Schiefer, Lehm oder Sand sowie den Einfluss der Hanglange gibt. Ich lerne, jedes Detail, wirklich jedes, ist ein kleiner Mosaikstein, der am Ende drüber entscheidet, welcher Wein aus der Traube gewonnen wird. Eine weitere Besonderheit ist die Pflege per Homöopathie. Etwaige Krankheiten der Trauben werden mit pflanzlichen Hausmitteln behandelt wie etwa Arnika oder Baldrian. Ich schmunzle etwas über die Vorstellung, dass auch eine Weinrebe Einschlafprobleme haben könnte oder mal etwas aufgeregt ist und sich entspannen muss. Aber ernsthaft betrachtet finde ich es eine unglaubliche Herausforderung, auf diese Weise dieses Größe des Weinbergs zu versorgen.

Da ich weder zu viel verraten noch einen Fachartikel schreiben möchte, belasse ich es bei diesen Informationen. Immer wieder lasse ich mich beim Gang durch die Weinberge von der unglaublichen weiten Aussicht einfangen. Mit Blick auf Montalcino wohnen neuerdings sogar Bienen auf dem Weingut. Sie haben ihre Luxusappartement frisch bezogen, fühlen sich bisher bienenwohl und sorgen so hoffentlich zukünftig für feinsten biologischen Honig.

Corte Pavone
Selbst die Bienen wohnen mit Aussicht.

In der Weiterverarbeitung und im Weinkeller geht es Hand in Hand

Die ganze Atmosphäre zeigt, hier lebt jemand seinen Traum. Ich spüre tiefe Ruhe in mir, so liebevoll ist es hier. Wir treten ein in die Weiterverarbeitungshalle. Natürlich ist sie im Juni leer. Ich habe aber sofort das Bild vor Augen, wenn im Herbst hier ein Gewusel aus Arbeitern ist. Wenn Männer und Frauen die große Körbe, gefüllt mit den Weintrauben, hineinbringen, auf das Förderband der Sortieranlage füllen und der Herstellungsprozess startet. Die Maschine sortiert zwar vor, aber links und rechts von den Bändern stehen Arbeiter, die alles mit der Hand nachsortieren und für die hohe Qualität Sorge tragen. Durch ein Loch im Boden werden die jeweiligen Tanks im Keller gefüllt. Hier erfolgt dann die Pressung.

Corte Pavone
Je nach Qualität der Trauben geht es in den Stahltank…
Corte Pavone
… oder in eines der Holzfässer.
Corte Pavone
In der ersten Ebene unter der Verarbeitungshalle stehen die großen Tanks.
Corte Pavone

Die Lagerung in den verschiedenen Tanks ist natürlich ebenfalls eine Wissenschaft für sich. Denn es muss kontrolliert, geprüft und entschieden werden, welche Trauben in welchen Tank kommen, für wie lange und wie sie dann weiter abgefüllt werden. Eine Ebene unter der Halle erheben sich dann auch vor mir die riesigen Edelstahltanks und Eichenfässer, in die die Trauben zunächst je nach Sorte und Jahrgang abgefüllt werden. Ist dieser Keller bereits beeindruckend so wird der Eindruck eine weitere Etage tiefer noch einmal übertroffen.

Die Tür öffnet sich und ich trete ein in einen großen Gewölbekeller. In zwei großen Gängen finde ich die unterschiedlichen Gefäße zur Lagerung. Kleine und große Holzfässer aus unterschiedlichen Holzarten und auch mit verschiedenen Aromen versetzt. So kann ein Wein zum Beispiel auch eine Vanille- oder Schokoladennote bekommen. Ich sehe das erste Mal auch Beton- und Graniteier als Weinfässer. Ich finde das unfassbar faszinierend. Für diesen Nachmittag ist es irgendwann auch zu viel an Information für mich, aber ich finde es nach wie vor spannend welchen Einfluss diese unterschiedlichen Materialien auf den Geschmack eines Weines haben. Ein Thema für meinen nächsten Besuch.

Corte Pavone
Hier lagen in unterschiedlichen Behältern die guten flüssigen Trauben.
Corte Pavone
Verschiedene Holzfässer….

Hier lagern die legendären Weine des Weingutes

In diesem Keller reift der legendäre Brunello genauso wie der Rosso de Montalcino und alle Weine der Tenuta bis sie entweder nach den strengen DOC-Regeln abgefüllt werden dürfen oder darüber hinaus noch weiter reifen. Fand ich zu Beginn eine Flasche Brunello für 80 Euro einfach teuer, begreife ich den Preis.  

Beton- und Graniteier
Hier findet die Verköstigung statt.
Beton- und Graniteier
Viel zu probieren….

Wenn du die vielen händischen Arbeitsschritte siehst, die in jeder Flasche stecken, kommt es mir fast schon zu wenig vor. Der lange Weg angefangen über der Erde bei den Pflanzen bis sie wirklich in einer Flasche gefüllt werden können, diese unglaubliche Detailarbeit, die Expertise, die Hände, durch die die Trauben gehen, die Sorgfalt, die dabei verwendet wird, ist schon sehr aufwändig. Dennoch gehöre ich nicht zu den Menschen, die 80 Euro oder mehr ausgeben können. Obwohl ich mit Genuss Wein trinke und ihn nicht nebenbei herunterzustürze. Und das brauche ich auch gar nicht. Denn wie ich gleich feststellen werde, ist mein Gaumen gar nicht bereit für so einen Wein. Oder wie Gigi es so wunderbar formuliert: er ist nicht so zugänglich für mich. Genau, ohne dem Brunello nahe treten zu wollen, er empfängt mich einfach nicht so herzlich wie seine Geschwister, mit denen ich schnell dicke Freundschaft schließe.

Nach so viel Infos geht es nun nämlich zur Verköstigung. Mein Kopf darf sich erholen, nun ist mein Gaumen gefragt. Um es vorweg zu nehmen, ich stürze Wein grundsätzlich nicht runter, greife auch nicht zum Discounter Wein, dennoch bin ich einfach nur ein Weingenießer. Das heißt, ich kann sagen, er schmeckt mir oder er schmeckt mir nicht. Aber viel mehr auch nicht.

Ich probiere mich durch die feinen Weine

Trotz der dunklen, drohenden Gewitterwolken über den Dächern von Montalcino lasse ich mir den einzigartigen Panoramablick bei der Verköstigung des Weines nicht nehmen. Ich nehme Platz auf der Außenterrasse, die liebevoll und unfassbar romantisch gestaltet ist. Ich starte mit einem leichten Prosecco Frizzante, genieße einen sehr angenehmen, frischen Rose Wein bevor ich mich über den Rosso hin zum Brunello arbeite. Auch wenn ich nicht wüsste, welcher Wein welcher ist, ich stelle fest, dass mir der Rosso wesentlich besser schmeckt. Das freut auch meinen Geldbeutel, da der Rosso del Montalcino auch für Menschen wie mich absolut erschwinglich ist. Der Rosso del Montalcino ist sozusagen der kleine Bruder des legendären Brunello. Hier werden die Trauben verarbeitet, die nicht dem sehr hohen Qualitätsanspruch des Brunellos entsprechen. Das macht ihn für mich einmal mehr sympathisch. „Ciao“ mein neuer Freund im Glas.

Beton- und Graniteier
Wir starten zunächst mit einem Frizzante.
Beton- und Graniteier
Den Rose genieße ich mit Aussicht auf Montalcino.
Beton- und Graniteier
… und weiteren Köstlichkeiten.
Corte Pavone
Bei den roten Weinen probiere ich einen der legendären Brunellos aber auch den Rosso di Montalcino.

Begleitend zu diesen wirklich großartigen Weinen verwöhnt mich Gigi mit allerlei weiterer Köstlichkeiten. Ich bekomme Oliven, drei verschiedene toskanische Bruschetta, aromatischen, regionalen Käse und wenn das nicht schon ausreicht, stellt mir Gigi noch eine Schale gerade frisch gepflückter Kirschen vom Baum nebenan auf den Tisch.

Beton- und Graniteier
Köstlichkeiten der Toskana verwöhnen meinen Gaumen.

Ich möchte hier ewig sitzen

Auch ich lebe gerade meinen – kleinen – Traum. Ich sitze hier in einer der romantischsten Umgebung eines Weingutes mit dem Blick ins traumhafte Val d’Orcia und werde mit allerlei Köstlichkeiten der Toskana verwöhnt. Auf der Zunge sprüe ich noch das Weinaroma und etwas von dem Käse. Ich könnte hier ewig sitzen und genießen. Ich möchte die Zeit anhalten und dieses Gefühl und den Geschmack konservieren.

Entdecke selbst die Welt von Corte Pavone

Du bist auf Corte Pavone genau richtig, wenn du dich für den Brunello und für den biologischen Weinanbau interessierst. Wenn du die Handarbeit schätzt und einfach etwas mehr darüber lernen magst, ist eine persönliche Führung perfekt.

Du bist hier aber auch richtig, wenn du einfach nur vor diesem herrlichen Panorama einen lockeren, leichten Nachmittag bei einem gutem Glas Wein verbringen möchtest, einen lustigen Mädelsnachmittag, genauso wie mit der Familie. Eine Verköstigung der Weine geht genauso wie eine Mittagsessens-Begleitung. Traue dich ruhig auch als Alleinreisender und auch für Wein-Newbies, durchs Tor. Es erwartet keiner, dass du mit einem Kofferraum voll Wein wieder nach Haus fährst. Du bist hier genauso Willkommen, wenn du nur den Wein vor Ort erleben möchtest.

Beton- und Graniteier
Ich spaziere noch etwas durch den Weinberg.
Beton- und Graniteier
… und genieße die 360 Grad Ausblicke.
Beton- und Graniteier
In alle Richtung einfach nur wundervoll.

Für Romantiker wie mich bietet Corte Pavone inzwischen noch etwas Besonderes an: Ein Picknick im Weinberg. Du bekommst einen liebevoll gepackten Picknickkorb mit den Weinen von Corte Pavone und toskanische Spezialitäten. Du kannst gemütlich durch die herrlichen Weinberge schlendern und dir deinen perfekten Lieblingsplatz mitten im Weinberg mit der Sicht auf das bezaubernde Montalcino oder die unverbaute Hügellandschaft des Val di Orcia mit den Weinbergen, Olivenhainen und Zypressen suchen, die Decke ausbreiten und einen unvergesslichen Nachmittag genießen.

Informationen zum Weingut und zu den Angeboten findest du auf der Website www.loacker.bio.

Zur Anreise:

Die Anreise erfolgt von der SP 14 kurz vor Montalcino abbiegend auf die SP 103. Diese entpuppt sich als eine sehr lange Schotterstraße. Mein Navi streikte und teilte mir mit, die Adresse angeblich nicht zu kennen. Aber von der Hauptstraße aus ist das Weingut gut ausgeschildert. Lass dich nicht irritieren, weil die Schotterstraße gefühlt nicht aufhören möchte. Fahr einfach weiter. Irgendwann stehst du vor dem imposanten schweren Eingangstor und der Auffahrt auf der rechten Seite.

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Meinen Ausflug nach Montalcino kannst du hier lesen. Du suchst noch eine Unterkunft in der Nähe? Vielleicht ist die Tenuta Pianirossi etwas für dich. Schau auch gern bei meinen Köstlichkeiten der italienischen Küche vorbei und hole dir etwas Toskana zu dir nach Hause.